Jenny Hirsch
Leben
Jenny Hirsch kam am 25. November 1829 als Tochter des angesehnen, jüdischen Kaufmanns Jakob Hirsch und der Berlinerin Bertha Elkisch Bendix in Zerbst zur Welt. Ihre Eltern lebten streng-religiös jüdisch. Ihre Mutter starb früh und Jenny Hirsch und ihre Geschwister kamen zu ihrer Grossmutter die sie aufzog.Als Mädchen des Bildungsbürgertums erhielt Jenny Hirsch mit dem Besuch der "Höheren-Töchter-Schule" eine gute Allgemeinbildung, die aber - wie allgemein üblich - mit 15 Jahren für sie abrupt beendet war. Von 1844 führte sie ihren elterlichen Haushalt, pflegte ihren Vater, verdingte sich als Magd und trug durch heimlichen Verkauf von Handarbeiten zum Lebensunterhalt bei. Nachts bildete sie sich selbst so umfassend fort, dass sie später mühelos Unterhaltungs- und Fachliteratur aus dem Französischen, Englischen und Schwedischen übersetzte.
Mißernten um 1846 und in den darauffolgenden Jahren verschlechterten ihre Lage. Jenny Hirsch erlebte auch die deutsche Märzrevolution und ihre Niederwerfung. Nach dem Tode ihres Vaters eröffnete sie eine Elementarschule in Zerbst, die für Mädchen und Knaben unterschiedlicher Konfessionen offen stand. Damit reihte sie sich in das Mehrzahl bürgerlicher Frauen ein, die mit dem Lehrerinnenberuf der wohl einzigen Erwerbsarbeit nachgingen, die für bürgerliche Frauen damals respektabel war.
1860 zog sie nach Berlin und trat als Redakteurin in die Redaktion der Berliner "Damen"- und Modezeitschrift "Der Bazar" ein, der gehörte sie bis 1864 angehörte und danach als freie Journalistin weiterhin verbunden blieb. Auf dem ersten "Frauentag"in Leipzig 1865 nahm sie an der Gründung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (ADF) teil, der als erster Frauenverein überregional agierte und dessen Gründung sie mit zahlreichen Artikeln journalistisch begleitete. 1866 gründete sie wiederum mit anderen den "Vereins zur Förderung der Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts", des so genannten "Lette-Verein", dem sie über 17 Jahre als Geschäftsführerin und einzige Frau im Vorstand angehörte.
1869 noch in seinem englischen Erscheinungsjahr übersetzte sie das "Subjection of women", in dem der Philosoph und Nationalökonom John Stuart Mill für das Frauenstimmrecht eintrat und das unter dem Titel "Die Hörigkeit der Frau" in Preussen Aufsehen erregte und drei Auflagen erlebte. Damit fand ihre Übersetzungstätigkeit einen Anfang, die ab 1882 in dem Schreiben eigener Werke überging. Ihre eigenen Werke drehten sich meist um Verbechen und "starke Frauen" und gehörten nicht unbedingt zu der "grossen deutschen Literatur", dennoch erlebten manche von ihnen mehrere Auflagen und wurden selbst in fremde Sprachen übersetzt. Unter verschiedenen Pseudonymen unter anderem F. Arnefeld und Franz von Busch, schrieb sie jedoch auch Unterhaltungsromane und Krimis.
Ihre journalistische Arbeit und ihr Kampf für eine bessere gesellschaftliche Situation der Frau pflegte sie bis an ihr Ende. Als Frauenrechtlerin verstand sie es sehr gut Kontakte zur Presse zu unterhalten und sich nicht nur an Zeitschriften und Zeitungen zu halten, die sich an einen engeren Kreis von engageierten Aktivisten richteten.
Diese Werke, die sich gerne um Verbrechen rankten und "starke Frauen" präsentierten, sind zwar nicht in die Geschichte der "großen" Literatur eingegangen, waren aber anscheinend recht erfolgreich. Dies legt zumindest der Umstand nahe, dass einige Romane wiederholt aufgelegt und auch übersetzt wurden. Zudem unterstrichen Jenny Hirschs belletristische Werke ihre Forderung nach einer Verbesserung der gesellschaftlichen Situation der Frau.
Gegen ihr Lebensende erblindete Jenny Hirsch langsam und starb am 10. März 1902 in Berlin im Alter von 72 Jahren. 16 Jahre sollten noch vergehen, bis 1918 nach Ende des Ersten Weltkrieges in Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt wurde.
Bedeutung in der Frauenbewegung
Mit der Mitbegründung des "Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (ADF)" und des "Lette"-Vereins gilt Jenny Hirsch als Vorreiterin der organisierten Frauenbewegung und des weiblichen Journalismus. Jenny Hirschs Übersetzung von "The Subjection of Women" war in den 1890er Jahren Standardwerk radikalerer Frauenrechtlerinnen wie Hedwig Kettler, Marie Stritt und Anita Augspurg. Die frühe Frauengeschichtsforschung der 1970er und 1980er Jahre kritisierte, Jenny Hirsch habe sich 'nur' für Bildung und Erwerb eingesetzt und politische sowie sexuelle Fragen ausgeklammert. Ungeachtet dessen ist sie dennoch aus der Frauenbewegung nicht wegzudenken.Werke
Eigene Werke
- Arenfeldt, L.:"Fürstin Frau Mutter: Historische Erzählung," Dresden, 1881
- Arenfeldt. L.(Pseudonym): "Befreit" Berlin, 1882,
- Hirsch, Jenny: "Der Väter Schuld" 1882,
- Hirsch, Jenny: "Schwere Ketten" 3.Auflage, 1884,
- Hirsch, Jenny: "Die Erben" 1889,
- Hirsch, Jenny: "Schlangenlist" 1891,
- Hirsch, Jenny: "Geschichte der 25 Jährigen Wirksamkeit des Lette-Vereins.", Berlin 1991
- Hirsch, Jenny: "Der Amerikaner", Original-Roman, Mannheim, 1894,
- Arnefeldt, Fritz (Psyd.): "Der Amtmann von Rapshagen", Roman, Mannheim, 1896
- Hirsch, Jenny: "Ein seltsamer Fall", Argus, Berlin, 1912
Übersetzungen
- Mill, John Stuart: "Die Hörigkeit der Frau" 1869, 2. Auflage, Berlin, 1892,
- Delord, Taxile: "Geschichte des Zweiten Kaiserreiches" aus dem Französischen von Jenny Hirsch, Berlin, 1870,
- Schwartz, Marie Sophie:"Die Jungendgefährten" Erzählung, Bearbeitung aus dem Schwedischen, Berlin, 1871,
- Trolle, H. von:"Der See-Offizier" Historischer Roman, aus dem Schwedischen, 1872,
- Marryat, Florence:"Sesam, öffne Dich!" Roman, aus dem Englischen, Stuttgart , 1876
- Kingsley, Henry:"Der Gespenster-Garten", aus dem Englischen, Berlin, 1877
- Wall, Mary M.: "Haus und Gesellschaft in England", aus dem Englischen, Berlin, 1878,
Zeitschriften und Zeitungen
- "Der Bazar", Zeitschrift für Frauen, Berlin, 1860 bis 1864, Redaktion
- "Frauenanwalt", Organ des Frauenbildungsvereins "Lette-Verein", 1870 bis 1876 und 1878 bis 1881, alleinige Herausgeberin
- ""Neue Bahnen", Organ des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (ADF), unregelmaßig Artikel
- "Deutsche Hausfrauen-Zeitung.", 1887 bis 1892, mit Lina Morgenstern - besser bekannt als "Suppenlina" - als Mitherausgeberin
- "Magazin für die Literatur des Auslandes", unregelmäßige Rezensionen
- "Zeitschrift "Nordwest", unregelmäßige Rezensionen
- "Zeitgeist",, unregelmäßige Beiträge
- "Berliner Tageblatts", unregelmäßige Beiträge
Literatur
- 116904755
- Meyers Konversations-Lexikon,
- Lina Morgenstern, in Bloch's "Österreichische Wochenschrift", Wien, 21. März 1902,
- "Allgemeine Zeitung des Judentums" 14. März 1902,
- Fassmann, Irmgard Maya:"Jüdinnen in der deutschen Frauenbewegung" Hildesheim Olms, 1996, ISBN 3-487-09666-8
- Büning, Marianne:"Jenny Hirsch (1829-1902). Frauenrechtlerin - Redakteurin - Schriftstellerin", Hentrich & Hentrich Verlag, Teetz 2005, ISBN 3933471818
Weblinks
- Ausführliche Buchbesprechung und Details aus ihrem Leben
- Kurzbiografie
- Jenny Hirsch als Kriminalautorin mit PDF-Download
- Buchbesprechung '"Jüdinnen in der deutschen Frauenbewegung"'
- Enzyklopdischer Artikel (engl.)
Hirsch, Jenny Hirsch, Jenny Hirsch, Jenny Hirsch, Jenny Hirsch, Jenny Hirsch, Jenny Hirsch, Jenny
