Hans Binder
Hans Binder war der erste Tiroler in der Formel-1. Aus dem Zillertal kommen normalerweise nur Schifahrer. Die beiden Olympiasieger Stefan Eberharter und Leonhard Stock sind genauso Zillertaler wie die Skichampions Ulli Spieß und Thomas Hauser. Zwei Familien fallen da aus der Reihe und haben partout keine Skirennläufer hervorgebracht. Neben den Binders die Familie Kinigardner, die mit Heinz Kinigardner sogar einen zweifachen Motor Cross Weltmeister stellt.
Der Vater von Hans Binder gründete 1957 in Fügen ein kleines Sägewerk und betrieb nebenher ein bisschen Rennsport. Er fuhr nationale Rallyes, wenn er gerade Zeit hatte. Immerhin reichte es 1961 zum österreichischen Staatsmeistertitel auf DKW. Der junge Hans Binder ist zwar oft dabei, wenn der Vater durch die Wälder jagt, interessiert sich aber vorerst nicht weiter für diesen Sport. Erst spät zündet der Funke.
Karriere
1972, schon im Alter von 24 Jahren, macht er einen Fahrerlehrgang bei der Jim Russell- Rennfahrerschule am Österreichring bei Zeltweg, wird Kursbester und gewinnt gleich sein erstes Formel Ford-Rennen am Salzburgring. Es folgt eine komplette Saison in der Formel-Ford. Zwischen all den Wilden kann sich Binder mit Bravour behaupten. Er gewinnt die österreichische Meisterschaft in dieser Klasse und wird 2. bei der Europameisterschaft. So kommt 1974 der Aufstieg in die nächst höhere Klasse – die Formel-3 mit einem March. Einen Sieg kann er einfahren, am Nürburgring, dazu kommen starke fahrerische Leistungen und gute Platzierungen in der Europameisterschaft. Zweiter in Hockenheim, Kassel und Jyland.1975 folgt die Formel-2. Ein March-BMW wird erworben, Helmut Marko wird Teammanager. Binder fährt gegen so starke Gegner wie Jean Pierre Jabouille, Jacques Laffite und Vittorio Brambilla. Er wird starker Zweiter beim EM-Lauf auf dem Salzburgring, schafft den 4. Rang in Zolder und wird 5. in Magny Cours. Am Ende reicht es für den 13. Rang in der Europameisterschaft der Formel-2.
Binder bleibt auch 1976 in der Formel-2, diesmal mit einem Chevron-BMW, aber wieder mit Marko als Teamchef. Es gibt ein paar schöne Ergebnisse. 4. Rang in Estoril und Nogaro, 5. Rang in Enna, bevor sich für Binder – vor dem Großen Preis von Österreich 1976 – die Tür zur Formel-1 öffnet. Österreichs Motorsportwelt stand noch unter Schock: Beim Rennen in Deutschland, zwei Wochen zuvor, war Niki Lauda am Nürburgring schwer verunglückt. Zwar mit dem Leben davon gekommen, hatte Lauda jedoch Verbrennungen dritten Grades im Gesicht erlitten. Lauda fehlt beim Heimrennen. Gleichzeitig wird der für den britischen Ensign Rennstall fahrende Chris Amon nach vielen Rückschlägen rennmüde und verzichtet auf einen Start in Zeltweg. Daher und mit einigem Sponsorgeld kommt Binder ins Auto. Er geht bei seinem ersten Grand Prix, mit dem Ensign N 176-Ford Cosworth vom 19. Startplatz aus ins Rennen. Fällt aber schlußendlich, nach einer starken Vorstellung, in der 47. Runde mit einem defekten Gaspedal aus. Am Ende des Jahres noch ein weiterer Start. Diesmal bei Williams – das britische Team hat sich mit dem Austrokanadier Walter Wolf zu einer konfliktreichen Partnerschaft zusammengeschlossen – ersetzt er den verletzten Stammfahrer Jacky Ickx. Vom 25. Startplatz aus ins Rennen gegangen, streikt an Williams FW 05-Ford Cosworth in der 49. Runde ein Radlager: wieder ein Ausfall.
1977 unterschreibt Hans Binder einen Werkvertrag bei Surtees. Mit dem Surtees TS 19 startet er vorerst bis zum Großen Preis von Monaco 6-mal in Folge. Beste Platzierung ein 9. Rang beim Großen Preis von Spanien. Nach einem kurzen Gastspiel beim deutschen ATS Team, mit Starts in Zeltweg und Zandvoort mit dem Penske PC 4-Ford Cosworth – Surtees und Binder hatten unterschiedliche Auffassungen über Sponsorzahlungen und zogen später sogar vor Gericht – fuhr Hans Binder die Saison für Surtees ohne wirklich zählbaren Erfolg zu Ende. John Surtees, der Teambesitzer und Formel-1 Weltmeister von 1964, über Hans Binder: " Hans ist besser gewesen als seine Resultate. Er hätte die Fähigkeit gehabt, mehr aus seiner Karriere zu machen – aber das wollte er wohl nicht um jeden Preis. Er mochte die Szene, im gefiel die Idee, ein Formel-1 Pilot zu sein. Aber was ihm fehlte, war der kalte Ehrgeiz." Surtees verlängerte den Vertrag mit Hans Binder nicht.
Hans Binder fuhr kein Autorennen mehr. 1978 hatte er noch einmal die Gelegenheit, sich für ein Rennen zu qualifizieren. ATS gab ihm ein Auto für das Heimrennen am Österreichring. Das Auto war zu langsam – Binder schaffte die Qualifikation nicht. Ende das Jahres kamen Gerüchte auf, er könnte den in Monza tödlich verunglückten Schweden Ronnie Peterson bei Lotus ersetzen – aber es blieben Gerüchte.
Hans Binders Karriere blieb seltsam unvollendet. Er fuhr keine Sportwagen-, und mit einer Ausnahme, keine Tourenwagenrennen. Was blieb, sind die Auftritte in den Monoposto-Formeln. 13-mal war Hans Binder am Start bei einem Formel-1 Rennen, konnte allerdings keinen Weltmeisterschaftpunkt erringen. Das gerät gern in Vergessenheit, vor allem in einem Land wie Österreich, das für seine Größe eine fast unglaubliche Fülle an Weltklassepiloten hervorgebracht hat. Heute ist Hans Binder in der Holzbranche höchst erfolgreich. Aus dem kleinen Sägewerk der Eltern machte er mit seinen beiden Brüdern einen Großbetrieb: 650 Mitarbeiter, 30 Millionen Jahresumsatz.
Literatur
- Heinz Prüller: Unsere Champions 1900-2003. Alles über Österreichs Jahrhundert-Rennfahrerl. NP Buchverlag, St. Pölten 2003, ISBN 3-85326-180-9.
- Martin Pfundner: Vom Semmering zum Grand Prix. Der Automobilsport in Österreich uns seine Geschichte. Böhlau, Wien 2003, ISBN 3-205-77261-1.
Binder, Hans Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1948 Kategorie:Mann
