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Die Wikipedia Einträge des Tages

roman, epik

Die Fahrt zum Leuchtturm

literarisches werk | literatur (20. jahrhundert) | literatur (englisch) | roman, epik


Die Fahrt zum Leutturm (engl. To the Lighthouse) ist ein Roman von Virginia Woolf. Die mehrstimmige Geschichte handelt von der Ramsay-Familie und ihren Besuchen auf der schottischen Isle of Skye zwischen 1910 und 1920.

Der Roman gehört zur modernen Literatur und verwendet ähnliche Erzähltechniken wie Marcel Proust oder James Joyce, deren Prosa manchmal gewunden und schwer zu verfolgen sein kann. Die Handlung ist der Innenschau der Figuren untergeordnet. Das Buch enthält kaum Dialoge und es geschieht wenig; der Text drückt vor allem die Gedanken und Wahrnehmungen der Hauptfiguren aus. Im Zentrum stehen Lily Briscoe, deren Beobachtungen der Ramsay-Familie das Rückgrat des Buches bilden, sowie Mrs Ramsay.

Jakob von Gunten

literarisches werk | literatur (20. jahrhundert) | literatur (deutsch) | robert walser | roman, epik


Robert Walser um 1915 Jakob von Gunten ist ein Roman von Robert Walser, geschrieben 1908 in Berlin und dort im Frühjahr 1909 bei Bruno Cassirer erschienen.
Eine Zahl in runden Klammern verweist auf die Seite in der Quelle oder in der Literaturstelle.
Unversehens kommt der ganz liederliche (121) Zögling Jakob in den Genuss der Liebe des Vorstehers der Knabenschule Benjamenta und wählt schließlich den Weg aus der Kultur (163) in die Wüste (164).

Genre

Der Text besteht als undatierten Tagebucheintragungen des Ich-Erzählers Jakob von Gunten. Wilpert kategorisiert das Werk als Roman und Mächler als Tagebuchroman. Martin Walser (auf der Umschlag-Rückseite der Quelle) nennt den Jakob von Gunten Entwicklungsroman einer verhinderten Entwicklung und einen Erziehungsroman. Zwar fällt im Text das Wort Entsagung (100), doch Jakob entsagt auf ernüchternde Weise konträr zu Wilhelm Meister: Ich entwickle mich nicht (144).
Klein sein und bleiben (145) ist Jakobs Maxime. Er ist gern unterdrückt (104). Denn Jakob kann nur in den untern Regionen atmen (145). Immerhin ist der Protagonist adelig von Geburt und der Sohn eines Großrates (161) dazu.

zur Form

Der Ich-Erzähler, ein Trotzkopf (125), der seine vielen Fehler (125) wohl kennt, beschränkt sich in seinen Tagebuchaufzeichnungen keineswegs auf das Berichten aus der Knabenschule, dem Institut Benjamenta (7). Niederschriften seiner Phantasien und Träume wechseln mit sachlich Erzähltem ab. Stimmt denn das? Diese Frage kann sich der Leser selten beantworten. Zwar beteuert Jakob Ich lüge nicht gern (135), doch der Leser ertappt sich des Öfteren bei jener o.g. Frage. Allerdings wird meistens von vornherein klar gestellt: Angenommen, ich wäre... (135) oder Mir träumte,... (161). Die allgemeine Verunsicherung des Lesers erscheint als die Absicht des Erzählers. Jakob karikiert z.B. die Lehrer in der Knabenschule; nennt die Herren Wächli, Blösch, Strecker, Doktor Merz, von Bergen, Wyß und Bur (58). Doch die meisten Lehrfächer der Herrschaften fallen aus dem Rahmen des Instituts. In dem Fall gibt Jakob erst zum Schluss wiederum eine zu Papier gebrachte Träumerei zu (59). Der Leser wird vorsichtig. Die Verunsicherung des Lesers durch den fabulierenden Bruder Lustig (154) wird so weit getrieben, dass ersterer schließlich die ganze Geschichte für unglaubwürdig halten muss. Doch das Tagebuch ist keine simple Lügenmär. Sagt doch Jakob einmal von sich, der Gedanke interessiere ihn immer mehr als die Sache selber (144).

Figuren

Jakob unterteilt in Herrschaft und Elevenschaft (127).
Herrschaft
Herr Benjamenta, Vorsteher des Instituts Benjamenta (auch: Knabenschule)
Fräulein Lisa Benjamenta, Lehrerin, seine Schwester
Elevenschaft
Jakob von Gunten
Kraus
Schacht, Schilinski, Fuchs, der lange Peter, Heinrich, Tremala und Hans
Außerhalb der Knabenschule in der gewaltigen Stadt (53)
Johann von Gunten, älterer Bruder Jakobs

Handlung

Herr Vorsteher
Jakob tritt frisch, dumm, unartig, frech und blühend (156) in das Institut des Herrn Vorstehers ein. Die Schüler, in ihrem Wesen von einer schmiegsamen Würde (93), werden als Diener ausgebildet (31). Stellung erhalten (60) ist ihr Ziel. Dafür lassen sie sich bevormunden, drillen und zwiebeln (89). Hoffen ist strengstens untersagt (92). Ein Grundsatz des Instituts lautet: Wenig aber gründlich (63). Der Unterricht beginnt um acht. Der Umgang mit Menschen wird theoretisch und praktisch durchgenommen. Bald testet der neue Eleve den Herrn Vorsteher. Jakob revoltiert. Die Antwort sind Schläge. Der Gezüchtige steckt die Strafe klaglos weg (20). Ist Jakob in einen Streit verwickelt, erhält er vom Herrn Vorsteher - ohne Ermittlung des Schuldigen - einen Schlag an den Kopf (36). Minderwertigkeit fühlt Jakob nicht. Im Gegenteil - er besitzt genug Selbstvertrauen (43) und hält sich für den Gescheitesten (24) unter den Schulkameraden. Jakob schätzt sich als eitel und hochmütig ein. Er fühlt sich leicht gekränkt (31). Jakob vermutet, er werde im Institut verdummt. Er weiß auf alle Fälle, er wird klein gemacht.
Der Vorsteher gesteht Jakob, er habe eine nicht mehr zu behherrschende Vorliebe für ihn (94). An Jakob sei etwas Bedeutendes. Der Vorsteher hat keine Erklärung dafür (106). Jakob ist auch überrascht, weiß aber mit Vorgesetzten umzugehen. Er schweigt wohlweislich dazu - auch als ihm der Herr Vorsteher seine Liebe gesteht (95). Als Jakob der Freund und kleine Vertraute des Herrn Vorstehers werden soll, verhält sich der Eleve zögerlich (107). Jakob hat Pech, er bekommt vom Herrn Vorsteher keine Stelle vermittelt, denn der Vorgesetzte, bereits über Vierzig (156), liebt zum erstenmal einen Menschen (129). Dann aber bekommt Jakob hasenartige Angst. Der Herr Vorsteher will ihn erwürgen (142). Später aber möchte der Vorsteher Jakob gar küssen. Der prachtvolle Bursche lehnt das entrüstet ab (148).
Kraus
Jakob will Menschen stacheln, auf daß sie sich ihm offenbaren (114). Dafür ist Kraus richtig. Dieser Freund Jakobs, der Redlichste und Tüchtigste (25) unter den Schülern, ist eine rechtschaffene, zarte, feste Menschenseele (48). Kraus, der sich den Unterrichtsstoff mit erheblichen Zeitaufwand einpauken muss, verachtet den Müßiggang (25) seines Freundes. Jakob hat eine leichte Auffassungsgabe und flaniert in der Freizeit, wenn es der Herr Vorsteher erlaubt, allein durch die große Stadt. Mit zehn Mark betritt Jakob ein Restaurant mit Damenbedienung und lässt sich von einem jungen Mädchen verwöhnen. Schließlich spielen beide Sag' mir guten Tag. Aus dem Kontext kann geschlossen werden, dass es sich dabei um Geschlechtsverkehr handelt (27). Jedenfalls ist Jakob pleite, als er das Lokal verlässt. In der Knabenschule wird Jakob dann von Kraus mit verächtlichem Lächeln empfangen (39).
Jakob zankt für sein Leben gern und hat für Kraus deshalb so viel übrig, weil ihm dieser bei jeder Gelegenheit zürnt (29), wenn er ihn reizt, ärgert, äfft (87). Kraus hat so etwas Joseph-in-Ägypten-haftes (78), ist ein Nichts, ein Diener (81).
Johann von Gunten
Jakob trifft seinen einzigen leiblichen Bruder mehrmals. Johann verkehrt mit reichen Leuten (96) und lebt mit einer Frau als so etwas wie ein namhaft bekannter Künstler (53) in der Stadt. Kein Wunder - der Vater hat Wagen und Pferde, die Mama ihre eigene Theaterloge (68). Der betont gehoben bürgerliche Lebensstil des Bruders und sein Gerede von Jakobs Karriere beeindrucken Jakob überhaupt nicht. Er sieht und hört sich das alles ruhig an und geht darauf in sein Institut Benjamenta zurück, um sich auf seine künftige Selbsterziehung vorzubereiten (69).
Fräulein Lehrerin
Fräulein Lisa Benjamenta geht lächelnd über Jakobs Ungezogenheiten hinweg. Abends erscheint sie im weißen, wallenden Gewand bei den Schülern zum Gute-Nacht-Gruß. Wenn das verehrte Mädchen (99) in den inneren Gemächern (98) verschwindet, stellt sich Jakob eine palastartige Wunderwelt aus prunkvollen Räumen hinter der Tür vor. Einer seiner Träume führt ihn auch, zusammen mit der verehrten Lehrerin, dort hin. Die Wirklichkeit ernüchtert zuletzt. Hinter der Tür befinden sich zwei schäbige Zimmer (130) - also Armut und Entbehrung (100). Alle Erwartungen werden zwar enttäuscht und doch traumhaft seltsam übertroffen.
Das Fräulein spielt die Zuschauer, wenn die Eleven kleine Theaterstücke aufführen. In den Stücken wird das bescheidene Dienen versinnbildlicht (113).
Das Fräulein leidet, aber Jakob weiß nicht woran. Schließlich kündigt die Lehrerin Jakob unter vier Augen ihren bevorstehenden Tod an und fordert Stillschweigen (133). Die bemerkenswerte Todesursache wird sein: Das Fräulein ist im Leben von keinem Manne geliebt worden (145). Jakob nimmt die Nachricht beherrscht auf. Er weiß, dass er gemein ist, aber er denkt an seinen Geldmangel. Als das Fräulein gestorben ist, bleiben nur noch Jakob und der Herr Vorsteher bei der Leiche zurück. Der Vorgesetzte, dieser Schuft, hat allen Eleven am Sterbetag seiner Schwester Stellung verschafft (155). Jakob möchte auch unterkommen. Den Herrn Vorsteher überkommt unerhörte Lebens- und Lachlust (156). Er will mit Jakob in die Welt hinein (156). So geschieht es.
Träume
Jakob träumt, er schlägt seine Mama, die Liebe und Ferne (34) ins Gesicht und reißt sie an den Haaren. Anfang des 15. Jahrhunderts kämpft Jakob als Kriegsoberst in den mailändischen Feldzügen und wird natürlich dafür in den Grafenstand erhoben (110). Als Soldat zieht Jakob, von Napoleon zu Körper-Klumpen gemacht, immer gen Osten durch den Schnee nach Moskau zu (138). Nachdem der Herr Vorsteher mit Jakob allein im Institut zurückgeblieben ist, verlassen beide die Knabenschule, wenden sich ab von der Kultur und reiten auf Kamelen in die Wüste (163).

Der Gehülfe

literarisches werk | literatur (20. jahrhundert) | literatur (deutsch) | robert walser | roman, epik


Robert Walser um 1915 Der Gehülfe ist ein Roman von Robert Walser, geschrieben 1907 in Berlin und dort im Mai 1908 bei Bruno Cassirer erschienen.
Der 24-jährige Joseph Marti, Gehülfe des Ingenieurs Carl Tobler, erlebt während eines halben Jahres den Ruin des erfolglosen Erfinders und geht seiner Wege. Eine Zahl in runden Klammern verweist auf die Seite in der Quelle oder in der Literaturstelle.

Wahrheit und Dichtung

Walser lässt den Gehülfen in einem Dorf Bärenswil, eine gute Dreiviertelstunde Eisenbahnfahrt von der großen Kantonshauptstadt entfernt (69), auftreten. Jener Ort der Handlung, die Villa zum Abendstern, steht zu Wädenswil am Zürichsee. Das geht aus einem Brief Robert Walsers vom 14. Dezember 1920 an Curt Wüest hervor. Ein Faksimile des Briefs befindet sich in Mächler zwischen den Seiten 112 und 113. Darauf ist der Turm zu sehen, in dem der Gehülfe untergebracht war. Das Anwesen wurde vom Maschinentechniker Carl Dubler, seiner Gattin Frieda und den gemeinsamen vier Kindern bewohnt. Die Vornamen der Kinder wurden genauso in den Romantext übernommen wie die Erfindungen des Technikers - die Reklame-Uhr, der Verkaufsautomat für Gewehrmunition und der Krankenstuhl. Walser hat reichlich vier Monate in dem Haus als Angestellter Dublers gewohnt und es zum Neujahr 1904 vorm Konkurs des erfolglosen Unternehmers verlassen (Nachwort, 299f.).
Walsers Mutter Elisa trug als Mädchen denselben Familiennamen wie der Protagonist: Marti (Mächler, 16).

Joseph Marti

Villa zum Abendstern
Erzählt wird die Geschichte vom langsamen Verfall des Hauses (253) Tobler. Joseph Marti, der Gehülfe, betritt das Haus seines Arbeitgebers zu Beginn des Sommers und verlässt es zum Neujahr. In den sechs Monaten bewohnt er ein Turmzimmer der Villa. Joseph speist am Tisch der Familie. Anders geht es nicht. Einen Teil seines Gehalts bekommt er erst am Jahresende ausgezahlt. Zuvor muss er sich mit Almosen, vom Chef generös zugesteckt, für seine Sonntagsausflüge in die Stadt, aus der er stellenlos (15) gekommen ist, begnügen. Obwohl sich Joseph eigentlich mit Schuldenabzahlen eilen (63) müsste, zeigt er Verständnis. Trotz sich immer mehr zuspitzender finanzieller Lage (65) lebt die Familie nicht schlecht. Niemand muss Hunger leiden. Im Gegenteil - der Hausherr Carl (auch: Karl) Tobler lädt Bürger aus dem Dorf zu sommerlichen Gartenfesten auf seinem Seegrundstück inmitten der reizvollen Berglandschaft ein. Der 1. August wird auf Toblers üppig illuminierten Anwesen mit einem Feuerwerk ausgelassen gefeiert.
Nach Möglichkeit genießt Joseph den Sommer; schwimmt, rudert des Nachts Frau Tobler und die vier Kinder über den See. Musik erklingt, umschlingt den dunklen, duftenden Leib der Seesommernachtstille (53).
Die Erfindungen
Josephs Arbeitsplatz, das Bureau des technischen Erfinders Tobler, liegt im Keller der Villa (9). Tobler hat erfunden: die Reklame-Uhr, die Tiefbohrmaschine, den nach Münzeinwurf ein Paket Patronen ausgebenden Schützenautomaten, den patentierten Krankenstuhl (62f.) und einen kleinen Dampfapparat, diesen Dampfbehälter (150). Zudem spricht im Bureau ein Kraftanlagenschöpfer behufs der Selbstkrafterzeugungsmaschine in Städten (277) vor. Letztendlich will niemand Toblers Erfindungen. Als Frau Tobler erkrankt und der Herr Ingenieur seinen Krankenstuhl an der eigenen Frau ausprobiert, muss er Kritik einstecken. Das bildhübsche, kleine Modell (214) ist unbequem. Flugs konstruiert der Erfinder um.
Der Erfinder
Tobler will einen Kopf als Angestellten (9). Das Nachdenken über hohe Dinge (188) ist Josephs Sache nicht. Der neue Gehülfe brilliert in der Erfüllung von Nebenaufgaben (220). Das ist alles keine Kopfarbeit, sondern hat ausnahmslos mechanischen Charakter. Der sommerliche Garten um die Villa herum ist mit dem Schlauch zu beregnen. Wege, auch für Frau Tobler, sind zu erledigen. Der Haushälterin Pauline muss ab und zu zur Hand gegangen werden. Joseph spielt den Hausmeister.
Tobler fordert von Joseph Pünktlichkeit. Wenn der Gehülfe sich im Bureau ein wenig verspätet, gibt es ein Donnerwetter. Joseph schweigt bei solcher Gelegenheit wohlüberdachtermaßen (59). Tobler schimpft auf Bärenswil, das Drecknest und meint in Wirklichkeit dessen Bewohner, die die Erfolglosigkeit des Erfinders riechen und sich geordnet zurückziehen (71).
Während der Arbeit darf Joseph von Toblers Zigarrenstumpen rauchen. Der Chef war vor drei Jahren einfacher Hilfsingenieur in einer großen Maschinenfabrik gewesen (71), hatte geerbt, sein Geld aber in den Kauf der Villa und die Reklame-Uhr gesteckt. Deshalb muss schnellstens Geld her. Als Geldgeber soll ein Kapitalist, möglichst ein Fabrikherr, gewonnen werden, damit die Massenanfertigung der patentierten Erfindungen gleich beginnen kann (45). Daraus wird im ganzen Roman nichts. Tobler muss vielmehr Zahlungsverweigerungsgründe erfinden. Selbst im Herbst zeigt sich keinerlei Umschwung (162), obwohl Tobler auf andauernden Geschäftsreisen nicht müde wird, jenen Kapitalisten zu finden. Als ein Kapitalist in der Villa vorspricht, ist Tobler gerade verreist. Joseph muss einspringen und vertreibt den potentiellen Geldgeber durch sein unverantwortliches kopfloses Benehmen (80). Tobler tobt nach seiner Rückkehr von der Reise, kann aber verzeihen. Er schenkt dem Gehülfen einige von seinen abgetragenen Kleidern. Der beleidigte Joseph begehrt zwar wortreich auf, nimmt die Kleidergeschenke schließlich doch. Wenn Tobler seine Frau misshandelt, kann Joseph nicht anders - er schreitet ein; ermahnt den Herrn Ingenieur (87). Der Erfinder, nie verlegen, hält dem Angestellten vor, ein großes Maul haben, das könne jeder. Leisten solle er endlich etwas (147). Angesichts der sich häufenden unbezahlten Wechsel gibt sich Tobler kämpferisch: Eine Idee stirbt oder sie siegt (175). Dabei pumpt er auf seinen Reisen bereits Bekannte und Verwandte an (176). Schließlich muss Tobler auf Schuldforderungen seine Illiquidität eingestehen (181). Aber ein mütterliches Erbteil hat er noch (182). Doch der Betrag, den die Mutter herausrückt, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, kann lediglich die wildesten Gläubiger und Schuldenforderer (219) ein klein wenig besänftigen. Um in den Genuss des Geldes der Mutter zu gelangen, muss Tobler gar die Ehefrau vorschicken. Nicht einmal dem Verwalter des hauptstädtischen Stellenvermittlungsbureaus (183) wird das geringe Vermittlungsentgelt ausbezahlt. Das Elektrizitätswerk schalten den Strom für die Villa ab (223).
Frau Tobler
Frau Tobler kommt aus echt bourgeoisen Kreisen her (51) und hat nicht die geringste Angst vor ihrem Gatten (82). Da letzterer oft auf Reisen ist, vertreibt sie sich notgedrungen mit dem Gehülfen die Zeit. Beide jassen, unterhalten sich oder Joseph schaut Frau Tobler einfach zu, wie diese liest. Einmal erblickt er die Frau durch ihre offene Schlafzimmertür im Negligé. Es entwickelt sich keineswegs ein Verhältnis zwischen den beiden, doch sie kommen einander näher. Man achtet sich. Frau Tobler vertraut sich dem Gehülfen an. Sie weiß, wer sie ist und lässt den Lebensmut nicht sinken. Ursache des beruflichen Misserfolgs ihres Gatten sind nach ihrer Ansicht die verschwenderischen Wohltaten (248), in deren Genuss gerade jene Mitmenschen kamen, die ihn nun hart bedrängen. Frau Tobler steht ihrem Mann bei, kann aber letztendlich den Ruin nur ein wenig hinausschieben. Manchmal fragt sie Joseph, ob das Desaster doch noch abwendbar sei. Als Joseph, der die Frau immer trösten möchte, das für durchaus möglich hält, heißt sie ihn einen Lügner (166). Wie wahr! Spürt doch Joseph die zunehmende Feindseligkeit beim täglichen Abwehren der Gläubiger (176) am eigenen Leibe. Auf der Bärenswiler Bank schlägt das Erstaunen in herablassendes Mitleid um (171).
Wirsich auf Besuch
Wirsich, der Vorgänger Josephs, war von Tobler unflätiger Auftritte wegen, verursacht durch Volltrunkenheit, aus dem Hause gejagt worden. Nun bittet der Trinker, der seine alte Mutter als Verstärkung in die Villa mitgeschleppt hat, um Wiedereinstellung. Der Herr Ingenieur sieht sich außerstande. Joseph macht seine Sache auch ganz ordentlich (43). Im Spätherbst dann, der Sommersee ist ein Nebelsee geworden, kommt Wirsich aus dem Regen und der Kälte. Joseph nimmt den Obdachlosen - mit Zustimmung der Frau Tobler (der Hausherr ist auf Reisen) - in seinem Turmzimmer auf, teilt das Bett mit ihm und drängt dem Trunkenbold ein Goldstück auf, das er tags zuvor von Tobler bekommen hat. Dem Tobler, diesem Großhans, wünscht Wirsich, dass er aus seinem prahlerischen Haus und Garten hinausfliegt (253).
Dora, Silvi, Edi, Walter und Pauline
Den Abendstern bewohnen noch die vier Kinder der Toblers - die Mädchen Dora und Silvi sowie die Knaben Edi und Walter. Frau Tobler kann es sich selber nicht erklären, sie hasst (235) Silvi, ihr eigenes Kind. Die Magd Pauline hat von der Hausherrin die Erlaubnis, das Kleinkind nachts nach dem Bettnässen zu prügeln. Pauline gebraucht ihre Macht. Joseph beobachtet das Gezeter und macht schließlich Frau Tobler ernsthaft Vorwürfe. In einem Abwasch liest der Gehülfe gleich noch dem gerade heimkehrenden Tobler die Leviten: Die Frau misshandelt Silvi und der Vater sieht darüber hinweg. Tobler macht sich mit dem Gehülfen gemein. Die Frau sei eine Gans und Joseph verrückt (237).
Joseph geht weiter
Als Wirsich seine nächste Stelle in Bärenswil wegen Trunkenheit verloren hat, bereitet auch Joseph seinen Abgang aus der Villa zum Abendstern vor. Beim hauptstädtischen Stellenvermittlungsbureau bewirbt er sich um eine passende Stelle (259). Nach einer weiteren Ungeschicklichkeit Josephs wird der Herr und Meister tätlich (265). Weinend begründet der Gehülfe der Frau Tobler seinen beabsichtigten Weggang. Die Frau bleibt kalt und empfiehlt dem Angestellten, sich noch von ihrem Mann zu verabschieden (266). Der Gehülfe wird vom Herrn Ingenieur aus dem Haus geworfen (292). Joseph und Wirsich verlassen Bärenswil und ziehen weiter.

Selbstzeugnis

  • Robert Walser sagte zu Carl Seelig: Der 'Gehülfe' ist ein ganz und gar realistischer Roman. Ich brauchte fast nichts zu erfinden. Das Leben hat das für mich besorgt (Nachwort, 300).

Rezeption

  • Hesse schreibt 1936, zwar sei der Gehülfe voll von Stimmungen vom Anfang des 20. Jahrhunderts, doch bezaubere die Erzählung durch die zeitlose Anmut ihres Vortrags, durch die zart und absichtslos spielende Magie (Michels, 461).
  • Nach Zollinger sei Walsers unbeschreiblicher Zauber zurückzuführen auf seine pedantische Unbestechlichkeit (Nachwort, 305).
  • Anne Gabrisch schreibt 1983, Herr und Diener seien gleichermaßen närrisch - ein Paar von fürchterlicher Komik. Und von weither an Don Quijote und Sancho Pansa erinnernd (Nachwort, 307).
  • Mächler (81f.) erzählt aus der Entstehungsgeschichte des Gehülfen. Der Roman sei im Rahmen eines Wettbewerbs des Scherl-Verlages in sechs Wochen niedergeschrieben worden. Walser habe achttausend Mark Honorar verlangt, das Manuskript jedoch wegen der hohen Forderung postwendend zurückerhalten. Als sich Walser darauf mit dem Verlagsleiter stritt, soll dem Autor entfahren sein: Sie Kamel verstehen überhaupt nichts von Literatur.
  • Sprengel resümiert, die Bärenswiler erweisen sich als Nachfolger der Leute von Seldwyla.

Geschwister Tanner

literarisches werk | literatur (20. jahrhundert) | literatur (deutsch) | robert walser | roman, epik


Robert Walser um 1915 Geschwister Tanner ist ein Roman von Robert Walser, Anfang 1906 in nur sechs Wochen in Berlin geschrieben und dort Anfang 1907 bei Bruno Cassirer erschienen.
Der 20-jährige verhinderte Bankangestellte Simon Tanner ist auf der Suche nach dem passenden Platz im Leben. Seine vier Geschwister, die Schullehrerin Hedwig Tanner, der Gelehrte Dr. Klaus Tanner, der Maler Kaspar Tanner und der Irrenhäusler Emil Tanner, können ihm dabei wenig helfen. Eine Zahl in runden Klammern verweist auf die Seite in der Quelle oder in der Literaturstelle.

Simon Tanner

Liebe statt Sehnsucht
Die Vorsteherin des gut geheizten Kurhauses für das Volk, in das sich Simon auf der Flucht vor eisiger Winterskälte am Romanende rettet, verwundert sich über den jungen, knabenhaften Mann (7), ja sie macht sich sogar unwillkürlich Kummer (318). Fühlt sich die Vorsteherin zwar als die Überlegene und hält Simon für unbedeutend, so vermutet sie sofort, der Ankömmling müsse bedeutende Menschen zu Geschwistern haben. So ist es beinahe. Simon erzählt der Dame, Klaus, der Älteste, nähme eine bedeutende Stellung in der Gelehrtenwelt ein. Bruder Kaspar hingegen lebe sehr zurückgezogen als Maler in Paris, und die einzige Schwester Hedwig unterrichte auf dem Dorfe Kinder. Hedwig wäre es auch gewesen, die die Mutter bis zu deren Tode gepflegt hätte. Zu dem Zeitpunkt wäre Simon vierzehn Jahre alt gewesen. Der Vater sei mittlerweile achtzig Jahre alt. Der dritte Bruder allerdings säße im Irrenhaus. Nach dem Tode seiner Mutter sei Simon in eine Bank als Lehrling gegeben worden. Im dritten Lehrjahr sei er vom Direktor zum Teufel gejagt worden (328). Als er noch eine bestimmte Sehnsucht trug, erzählt Simon weiter über sich, wären ihm die Menschen gleichgültig gewesen. Nun aber kenne er keine Sehnsucht mehr und jetzt liebe er die Menschen (330).
Bruder Klaus
Simon wechselt die Bankanstalten wie die Hemden. Allerdings wird er meist nicht hinausgeworfen, sondern geht, weil ihm irgendetwas nicht paßt. Er bleibt nicht in seinem Beruf, sondern wird Buchhandlungsgehilfe, verlässt aber bald den nichtsnutzigen Bücherladen (16), meldet sich beim Stellenvermittlungsbureau (18), wird Krankenwärter und arbeitet bei einem Advokaten als Aushilfe. Simon findet doch noch Anstellung bei einem Bankhaus von weltbedeutendem Umfang (34), legt sich aber mit dem Direktor an und wird prompt entlassen. Simon verschmäht das angebotene Zeugnis. Er will sich von nun an nur noch auf sich selbst berufen. Er will keine Zukunft, er will eine Gegenwart haben (44). Simon versucht sich erfolglos als Journalist (100) und beteiligt sich an der Inventur in einer großen Maschinenfabrik (192).
Der immerwährende Berufswechsel missfällt dem ältesten Bruder Klaus, der sich für seinen jüngsten Bruder Simon verantwortlich fühlt, sehr. Zwar nennt Klaus den Bruder Simon einen Müssiggänger (154), doch ist der Gelehrte so rücksichtsvoll und feinfühlig, dass es über den ganzen Roman hinweg nie zu einer heftigen Kontroverse zwischen den beiden Brüdern kommt. Simon, nachlässig, verspricht Klaus, daß es bald aufhört (155) mit der Faulenzerei. Klaus nimmt das leere Versprechen gutgläubig hin und leistet somit dem Schlendrian Vorschub.
Klara Agappaia
Mit ein klein wenig Geld in der Tasche sucht Simon die Pension der schönen Frau Klara Agappaia - fast außerhalb der Stadt am Waldesrande - auf, um für sich und seinen Bruder Kaspar ein Zimmer zu mieten. Das wird für die beiden armen Schlucker unerschwinglich. Klara, von dem jungen Mann beeindruckt, lässt die zwei Brüder unentgeltlich in ein prachtvolles Chambre (32) [Zimmer] einziehen und verliebt sich in Kaspar. Ihre Liebe dehnt Klara gleich noch auf Simon aus. Sie küsst den Jungen mit der Begründung, er sei ja der Bruder des Geliebten (58). Simon soll immer Klaras Freund bleiben. Er sei ihr süßer Knabe, mit einem Kopf voll so unergründlicher Gedanken (87). Klaras Gatte, der schießwütige Forschungsreisende Agappaia, hat gerade sein Vermögen verspielt (105) und sucht das Weite. Klara muss die Pension aufgeben. Die Brüder verlieren ihr komfortables Zimmer.
Bruder Kaspar
Kaspar, der Maler, kann sich nicht an eine Frau binden, denn er muss der Kunst dienen, also hart zu denen sein, von denen er am meisten geliebt wird (91). Mit dem künstlerischen Schaffen - das ist so: Alles Liebe muss abgetötet werden. Somit wir Liebe fürs Schaffen freigesetzt (224). Eine schwerere Aufgabe als Kunstproduktion kann sich nämlich kein Mensch vorstellen (225). Kaspar malt für die Lust späterer Geschlechter. Wohl dürfe man einem Künstler zusehen, sollte ihn aber ja nicht beeinflussen wollen. Simon, der Taugenichts, kann nicht begreifen, was für ein Arbeiter sein Bruder, der Maler, ist. Kunst wird definiert als Erklärungsversuch des Unerklärlichen (112). Kaspar trennt sich von Klara, obwohl sie nicht von ihm lassen will und nimmt außerhalb der Stadt Gelegenheitsaufträge an. Simon freut sich, weil Klara Kaspar unglücklich liebt (114). Doch Simon will ein besserer Mensch werden (128).
Schwester Hedwig
Für drei Monate kriecht Simon bei seiner Schwester unter. Zwar begrüßt Hedwig den Brüder stürmisch, doch sie erkennt alsdann ernüchtert: Sonst hat sich Simon nicht um sie gekümmert, aber für das Bereitstellen von Kost und Logis ist sie gut genug (136). Simon trägt abgerissene Kleidung mit kleidsamer Eleganz. Die sanfte Hedwig fühlt sich beglückt. Der Bruder erledigt die Hausarbeit und macht sich darüber seine Gedanken: Dankbarkeit will er der Schwester nicht zeigen. Damit beleidigte er sie nur. Wann wird die seßhafte Schwester den Tagedieb fortjagen, sinniert er weiter. Dann geht auch Hedwig das Geld aus. Auf dem Lande ist das kein Problem. Die Eltern der Schulkinder versorgen den Haushalt der Lehrerin mit Naturalien. Klaus kommt zu Besuch und nimmt sich Simon vor. Hedwig und Simon sind froh, als der gestrenge Inspektor wieder fort ist. Beide vertändeln viel Zeit miteinander. Hedwig verachtet Simon ein ganz klein wenig (175), denn er habe etwas Unbekümmert-Läppisches an sich. Hedwig jagt den Bruder schließlich fort und will sich nicht nach ihm sehnen (180).
Die Zauberin
Simon geht zurück in die Stadt, wird der Diener einer Frau und pflegt deren kranken kleinen Sohn (208). Zwar fordert die strenge Frau viel von Simon, doch sie lässt ihn auch an ihrem Schreibtisch einen Brief schreiben und bleibt geduldig daneben sitzen. Simon möchte gern eine Ohrfeige von der Herrin. Er provoziert sie, doch es bleibt offen, ob er die gewünschte Strafe bekommt. Jedenfalls ist er bald wieder stellenlos. Er nimmt ein Zimmer bei der Vermieterin Frau Weiß (250) und bezahlt im Voraus. Sogleich legt er sich ins gemachte Bett und träumt von Klara. Die ist Zauberin geworden und führt ihm seine Geschwister einzeln vor. Klaus schreibt fleißig an seinem Lebenswerk (222). Hedwig liegt tot da. Mädchen sein und leiden, das war zu viel (223). Kaspar, der Schaffende, darf beim Malen nicht gestört werden.
Als der Träumer, ein Freund des Unglücks (240), erwacht, liest er in dem Roman von Stendhal weiter.
Bruder Emil
Aus der Lebensgeschichte Emils wird mitgeteilt: Er besuchte zunächst ein Lehrerseminar, führte in München ein ziemlich flottes Leben (234), unterrichtete reicher Leute Kinder, zerstritt sich mit seinem Direktor, ging nach Italien, dann nach England, versuchte sich als Politiker, Dichter, Dramatiker, Komponist und auch als Zeichner. Zuletzt übte er wieder den Lehrerberuf aus und wurde - geisteskrank geworden - ins Irrenhaus gebracht (237).
Gefangene
Außer seinen Geschwistern und Klara begegnet Simon immer neuen Menschen. Denen gesteht er seine Konfession. Klug werden durch das Reisen - davon hält Simon nichts, denn er sei klug und wolle einst im Lande mit Anstand sterben (256). Lächeln beim Tode wolle er dann versuchen und innerliche Frömmigkeit sei für ihn gleichbedeutend mit menschlichem Anstand (264). Simon will Mensch bleiben. Das heißt für ihn, er könne mit ganz wenigem satt werden (257). Dazu passt seine letzte Stelle. Als Bedürftiger wird er Schreiber. Diese Arbeit bekommen nur solche, denen die Kleider womöglich in Fetzen herunterhängen (277).
Stellvertretend für jene Schar Unbekannter, denen Simon noch begegnet, sei die bereits ganz oben erwähnte Vorsteherin aufgeführt. Die Vorsteherin hat ihren ersten Kurzauftritt als allerletzte Figur am Romanschluss. Zu Weihnachten wandert Simon, der unverwüstliche Mensch, der allerhand Missgeschick zu ertragen versteht (239), an den Stadtrand hinauf zu Klaras Waldhaus, das inzwischen Kurhaus für das Volk (309) geworden ist. Die Vorsteherin kann sich an Simon nicht sattsehen. Warum braucht Simon seine Zeche im Kurhaus nicht zu bezahlen? Wegen jener Freundlichkeit der Vorsteherin etwa, als sie fragt, ob wir nicht alle Geschwister auf diesem verlorenen Planeten sind? In jener Frage wird ein Titelwort des Buches - Geschwister - angesprochen. Das ist es nicht nur. Simon, scheinbar etwas verkommen, hat etwas Fesselndes (315). Die Vorsteherin steht für alle Figuren, denen Simon im Roman begegnete - sie ist seine arme, glückliche Gefangene (332). Kafka hat jene glückliche Gefangenschaft sogar noch auf Simons Geschwister ausgedehnt: Simon ist, glaube ich, ein Mensch in jenen Geschwistern (Nachwort, 353).

Zitate

Man paßt dahin, wohin man sich sehnt (90).
Das Zufällige ist immer das Wertvollste (244).

Selbstzeugnis

Walser im Mai 1914 über das Schreiben der Geschwister Tanner: Der bessere Gedanke und der damit verbundene Schaffensmut tauchte nur langsam aus den Abgründen der Selbstnichtachtung und des leichtsinnigen Unglaubens hervor. Voller Entzücken hing ich an dem fröhlichen Grundgedanken, und indem ich nur fleißig immer weiter schrieb, fand ich den Zusammenhang (Nachwort, 336).

Rezeption

  • Kafka urteilt über den Simon Tanner: Das ist eine sehr schlechte Karriere, aber nur eine schlechte Karriere gibt der Welt das Licht (Nachwort, 354).
  • "Geschwister Tanner" hat eine episodische Struktur: Der ruhelose Held befährt die Welt, sammelt Erlebnisse und Erfahrungen, entwickelt sich dabei aber selbst im Grunde nicht (Nachwort, 346).
  • Hinter der idealisierenden Schilderung verbirgt sich ein faktisch-autobiographischer Kern (Nachwort, 348).
  • Spiegelgasse - die erste Adresse in Zürich: Nicht nur, dass Simon seiner Zimmerwirtin Frau Weiß zu guter Letzt den Mietbetrag schuldig bleiben muss - mehr noch, er pumpt die Frau sogar erfolgreich an (284). Im Roman Der Gehülfe schreibt der Protagonist Joseph Marti auf Seite 15 seiner ehemaligen Wirtin Frau Weiß einen Brief, in dem er seine Schulden anspricht. In seinem Nachwort zu Fritz Kochers Aufsätze schreibt Greven (115): Im Frühjahr 1902 mietete sich Walser in Zürich in der Spiegelgasse Nr. 23 bei der Frau Weiß ein. In derselben Gasse hatte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Lavater gelebt, war am 19. Februar 1837 Büchner gestorben und lebte später während des Ersten Weltkrieges ein paar Häuser weiter - in der Nr.14 - Lenin.
  • Hesse (Michels, 456) schätzt ein, Fritz Kochers Aufsätze, Geschwister Tanner und Der Gehülfe können in einem Zusammenhange gesehen werden.
  • Ein wichtiges Thema des Romans ist die Kritik der modernen Arbeitswelt und damit die Funktionalisierung des Menschen. Simon Tanner weigert sich, sich diesem Prozeß der Entfremdung, den er durchschaut, anheimzugeben - diese Weigerung isoliert ihn. Simon, der Außenseiter und Träumer, klage in seinen Monologen die äußere Welt an (Nachwort, 349).
  • Der archimedische Punkt, auf dem sie [Walsers Figuren] stehen, ist jener der Souveränität (Klaus-Michael Hinz, zitiert in: Nachwort, 351).
  • Mächler (74) lobt den Roman als ungewöhnlich dichterisches Buch, das die Grundbeziehungen zwischen den Mitgliedern der Familie Walser reflektiere.
  • Anne Gabrisch bemängelt 1984 die Sorglosigkeit des Details. Als Beispiel wird die Wiederbegegnung Simons mit Klara Agappaia angeführt. Das kleine Kind, das sie von dem Türken (292) empfangen hat, ist mal männlich, mal weiblich (Nachwort, 348).

zur Form

Romantisches Vorbild des Simon Tanner ist zweifelsohne - wie Sprengel (211) bemerkt - der Taugenichts von Eichendorff.
In Anlehnung an Brentano könnte man "Geschwister Tanner" auch als einen etwas " verwilderten Roman" bezeichnen (Nachwort, 351). Die Rede ist von allerlei unübersehbaren Gestaltungsschwächen. Ellenlange Monologe sind nur oberflächlich mit der Handlung verwoben. Der wortreich predigende Ton fordert den geduldigen Leser. In den letzten beiden Kapiteln (281 - 332) verliert der Prosaton von seiner Poesie. Es entsteht der Eindruck, als wolle der Autor fertig werden.
Der Lektor Christian Morgenstern überzeugte seinen Chef, den Verleger Bruno Cassirer, von den Qualitäten der Geschwister Tanner, sodass Cassirer den Roman annahm. Trotzdem enthält der Brief, den Morgenstern im September 1906 an Walser aus Obermais bei Meran schrieb, ein insgesamt doch fast vernichtendes Urteil (Brief auszugsweise zitiert in: Mächler, 72 - 74). In dem Schreiben sind die meisten der schweren Vorwürfe auffindbar, die ein Lektor gewöhnlich einem Anfänger macht.

Romantik

Das Land blühte mit einem heißen Atem, kam fast um vor Blühen (158)... duftend mit seinen Düften (159).

Das Land meiner Väter

autobiografie | kanada | kanadische literatur | literarisches werk | literatur (20. jahrhundert) | literatur (englisch) | roman, epik


Das Land meiner Väter sind Lebenserinnerungen von Wayne Johnston, die 1999 unter dem englischen Titel Baltimore's Mansion. A Memoir bei Alfred A. Knopf in Toronto erschienen.

In diesem großen Neufundland-Roman haben Charlie und sein Sohn Arthur offenbar ein Geheimnis. Wayne, der Enkel Charlies, möchte es herausbekommen. Sein Vater Arthur aber hält dicht. Trotzdem macht der Autor einen Versuch, dem Leser das Geheimnis anzuvertrauen.
Eine Zahl in runden Klammern verweist auf die Seite in der Quelle.

Die Väter

Wayne Johnston erzählt hauptsächlich aus dem Leben seines Vaters Arthur Reginald Johnston, genannt Art. Einen besonderen Platz in den Familienerinnerungen nehmen noch Geschichten aus dem Leben des Schmieds Charlie Johnston aus Ferryland ein. Das ist der Großvater Wayne Johnstons väterlicherseits. Die Nebenrolle unter den drei Vätern spielt der Großvater mütterlicherseits, ein ehemaliger Fischer aus Goulds mit dem Familiennamen Everard (57).
Die anderen Familienmitglieder werden - wie der Buchtitel nahe legt - am Rande erwähnt: die beiden Großmütter Nan (auch: May) Johnston und Lucy Everard sowie Waynes Geschwister - die Brüder Brian, Ken und Craig (206) sowie die Schwester Stephanie (277).
Episoden aus dem Leben seiner lieben Mutter Genevieve Johnston, geb. Everard, hat der Autor in anrührenden Geschichten erzählerisch verarbeitet (202). Wayne Johnston beschreibt die Eltern ärmer als die Ärmsten der Armen (165).
Art, Jahrgang 1928 (282), soll nach dem Willen des Vaters Fischer werden. Der Beruf des Hufschmieds habe keine Zukunft (48). Also bringt ihm der Vater den Fischfang bei. Art will weg von der Fischerei. Anfang September 1948 (233) beginnt er an der Agrarwissenschaftlichen Hochschule in Truro, Nova Scotia, das Studium (146). Als der Vater im Januar 1949 verstirbt, telegraphiert ihm der Bruder: Komm heim (272). Art hat kein Geld und kann erst am Mai nach Neufundland zurück. Er arbeitet nicht lange als Agrartechniker in St. John’s. Landwirtschaft ist auf der rauen Insel schier unmöglich. Art findet eine Anstellung in der Forschungsstation für Fischereibelange im Kanadischen Amt für Biologie (149) und wird Beamter der Bundesfischereibehörde (161). Von 1992 bis 1998 halten sich Art und Genevieve bei einem Sohn in Alberta auf. Dort erleidet Art 1992 einen Herzinfarkt und 1998 einen Schlaganfall (292). Trotzdem kehrt Art nach Neufundland zurück, und Wayne stellt aus diesem Anlass auf dem Flughafen St. John's ein Empfangskomitee auf die Beine.
Art ist erbitterter Gegner der Konföderation mit Kanada. Der 22. Juli 1948, an dem die Neufundländer in einem Referendum mit knapper Mehrheit für die Konföderation mit Kanada stimmten, ist für ihn ein Unglückstag (22).
Charlie, Jahrgang 1894, arbeitet werktags ab 4 Uhr morgens als Fischer und ab 9 Uhr für den Rest des Tages als Hufschmied. Charlie stirbt am 14. Januar 1949 in seiner Schmiede an einem Herzinfarkt (236).

Wayne

An der Konföderation mit Kanada scheiden sich um das Jahr 1948 herum in Neufundland die Geister. Waynes Väter samt deren Familien sind Anhänger der staatlichen Unabhängigkeit Neufundlands und somit Gegner der Konföderation (269). Für Wayne, der erst 1958 geboren wird, ist der Staat Neufundland nur eine Geschichte (269). Also tritt er mehr als Beobachter auf, der von der tief sitzenden Verbitterung des Vaters gutmütig Anteil nehmend erzählt.
Wayne, der 1980 bis 1992 zumeist in Toronto lebte (272), bekommt 1992 von seinem Vater einen Anruf. Die Eltern wollen nach Alberta zu Waynes Brüdern ziehen. Art begründet: Das Neufundland, das ich kannte, gibt es nicht mehr (271). Wayne kommt noch rechtzeitig in Neufundland an, um die Eltern vor ihrem Abflug in das 3000 Meilen entfernte Alberta zu verabschieden (277).

Das Land

Unstreitig sind die Beschreibung einiger Neufundland-Fahrten zu Wasser und zu Lande die erzählerischen Glanzlichter des Buches. Vier große Fahrten seien genannt.
Der neue Amboss
Durch einen einzigen Hammerschlag ist Charlies alter Amboss zerborsten (43). Auf ihrem Pferdefuhrwerk fahren Charlie und Art die 40 Meilen von Ferryland nach St. John's. Charlie ist wählerisch. Auf einer zeitraubenden Tour geht es durch die Gießereien in St. John's, bis der rechte neue Amboss gefunden ist. Der wird aufgeladen und die Rückfahrt wird sogleich angetreten. Denn eine lange Reihe Pferde wartet vor der Schmiede am Gatter angeleint und will beschlagen werden. Während des Zwischenhalts im Laden des Fischhändlers - Charlie nimmt Großpackungen Hafer oder Mehl (54) mit - wird offenbar, was der Leser schon zuvor ahnte. Charlie hat nicht einmal das Geld, um den hungrigen Art eine Pfefferminztafel oder Geleebonbons (53) zu kaufen. Die Abwicklung des Geschäfts erfolgt bargeldlos über das Naturallohnsystem (54). Charlie, bei aller Arbeit arm wie eine Kirchenmaus, ist von der Willkür des Händlers abhängig: Wird er neuen Kredit bekommen?
Der Milzriss
Für ihren Kühlschrank im Keller schneiden Charlie und Art am 12. März 1947 weitab von der Schmiede auf einem tief zugefrorenen Teich Blöcke aus dem Eis. Zahlungswillige Kunden aus Ferryland sollen ebenfalls mit der zweispännigen Schlittenfuhre beliefert werden. Im Dunkeln auf der Rückfahrt stürzt Art samt Pferd und Fuhre einen Abhang hinab. Art wird zum Glück von den Eisblöcken nicht getroffen und kann aus eigener Kraft zum wartenden Vater aufsteigen. Art hat sich innerlich verletzt. Er schafft den Heimweg nur, indem er sich am heilen Pferd im Marschieren anklammert (145).
Auf der Eisenbahn
Art nimmt den halbwüchsigen Wayne auf eine Bahnfahrt quer über die Insel und zurück mit. Eine Durchquerung ist immerhin 638 Meilen lang (117). Der Zug braucht für eine Tour genau einen Tag, falls er nicht im Schnee stecken bleibt. Unterwegs trinkt Art Ginger Ale und Roggenwhisky (127) und sucht erfolgreich Streit mit den Befürwortern der Konföderation.
Seegang
Ab 1971 macht Art Inspektionsfahrten auf der Belle Bay entlang der Südküste Neufundlands. Der betrunkene Kapitän laviert Art bei Sturm sicher zwischen den hohen Wellenkämmen von Fischfabrik zu Fischfabrik. Als eine der Fabriken wegen magelhafter hygienischer Bedingungen geschlossen werden soll, wird Art von der erbosten Bevölkerung als Stadtschnösel und Kanadier beschimpft. Während sich die Spitzeltruppe (186) fluchtartig auf die Belle Bay zurückzieht, bewahrt Art Haltung und wird dafür mit totem Fisch bombardiert (185). Art scheint auf seinen Inspektionsfahrten alle Tiefdruckgebiete auf sein Haupt zu ziehen. Auch später, nachdem Art 55-jährig in den vorgezogenen Ruhestand (224) geht, als jüngere Beamte die lebensbedrohlichen Inspektionen auf dem Seewege übernehmen, bleibt er ein zwanghafter Barometerklopfer (194).

Das Herrenhaus

Im Frühjahr 1627 bezieht Lord Baltimore, Eigner der Kolonie Ferryland, in dem gleichnamigen Küstenort sein Herrenhaus. Die Überwinterung wird ein einziges Desaster. Der Lord zieht sich schon im darauf folgenden Jahr nach England zurück und verstirbt dort am 28. Juni 1632. Reste des Herrenhauses befinden sich unter der Ruine von Charlies Schmiede (305). Der tiefer liegende Sinn dieser Heimaterinnerungen (272), die im Original Baltimores Herrenhaus im Titel tragen (Mansion = Herrensitz), wurzelt genau in jenem Kontrast: Der Lord macht sich nach dem über alle Maßen strengen Winter auf und davon nach England, hingegen die Johnstons krallen sich geradezu an der Schmiede fest. Das Festhalten an der Heimat äußert sich u.a. in der starrköpfigen gegnerischen Haltung der Johnstons zur Konföderationsfrage.

Das Geheimnis

Wayne vermutet, Art bewahre ein Familiengeheimnis. Von dem habe Charlie dem Sohn am Strand unter vier Augen Mitteilung gemacht, als sich dieser vor Studienantritt vom Vater verabschiedete. Wayne beobachtet Arts merkwürdiges Verhalten nach besonderen Anlässen. Während einer Familienzusammenkunft wettert Art zum Beispiel über jene "Konföderationsgegner", die in der Abgeschiedenheit der Wahlkabine für die Konföderation gestimmt hätten und hinterher öffentlich als Konföderationsgegner aufträten. Nach solchen Anlässen fragt Wayne, wenn er den Mut aufbringt, seinen Vater, was damals am Strand zwischen ihm und Charlie war. Art gibt das Geheimnis nicht preis. Der Leser aber weiß mehr. Es sieht ganz so aus, als habe Charlie im Schutz der Wahlkabine das Unfassliche getan: Heimlich auf dem Stimmzettel sein Kreuz für die Konföderation mit Kanada gemacht (290).

Der Mythos

Ort der Handlung ist überwiegend Avalon, jene Halbinsel auf Neufundland, die den Namen des bekannteren im Nebel verborgenen Ortes in Britannien trägt. Wenn sich die Protagonisten dem Isthmus zwischen Avalon und der Hauptinsel Neufundland nähern, so zwingen denn auch meist wallende Nebel zum Rückzug. Arthur Reginald hat Charlie seinen Sohn genannt nach Artus. Und Reginald heißt König.

Zitate

  • So lange man eine Insel nicht verlässt, ist sie die Welt (143).
  • Bedivere fragt Artus: Was soll aus mir werden, nun, da du von mir gehst und mich hier inmitten meiner Feinde alleine lässt? (315)

Hug Schapler

literarisches werk | literatur (16. jahrhundert) | literatur (deutsch) | roman, epik | volksbuch


Hug Schapler ist eine von vier Prosaübersetzungen aus dem Französischen, die Elisabeth von Lothringen um 1437 fertigte. Der mittelalterliche Ritterroman enthält die sagenhafte Geschichte Hugo Capets, der als Metzgerssohn auftritt und schließlich durch Tapferkeit den Königsthron erwirbt. Elisabeths Übersetzung erschien im Jahre 1500 erstmalig in Straßburg im Druck. Die letzte Bearbeitung der Ausgabe erschien 1794 in Nürnberg unter dem Titel Von dem streitbaren Helden Hugo Capet.

Siehe auch

  • Das Chanson de geste „Hugues Capet“

Marusja Klimova

autor | frau | literatur (20. jahrhundert) | literatur (21. jahrhundert) | literatur (russisch) | roman, epik | russe


Marusja Klimova (ist das Pseudonym von Tat'jana Kondratovic) - Chevalier de l'Ordre des Arts et Lettres (2006), die sich als Ubersetzerin von Louis-Ferdinand Celine, Jean Genet, Georges Bataille einen Namen gemacht hat und mit ihrem literarischen und essayistischen Werk in der Tradition der franzosischen Moderne steht. Ihre Romane Golubaja krov'/Blaues Blut (1991; 1996) und Domik v Bua-Kolomb/Das Haus in Bois Colombe (1998) kamen mit einer Auflage von 100 bzw. 200 Exemplaren heraus. Klimova lebte einige Jahre in Paris. Der gemeinsam mit Vjaceslav Kondratovic, Dmitrij Volcek und Jaroslav Mogutin gestartete Versuch, mit der Zeitschrift "Dantes" einen kritischen Beitrag zum Puskinjubilaum 1999 zu leisten, scheiterte. Die Kritik lehnte das "Blatt der Petersburger Boheme".

Wie die beiden vorangegangenen Werke versetzt auch der Roman Belokurye bestii/Blonde Bestien (SPb.: Seti 2001) den Leser in das Milieu Petersburger Kunstler und Intellektueller, die nach dem Ende der Sowjetunion ihre soziale Deklassierung durch Zynismus zu uberspielen suchen. Die autobiografische Protagonistin Marusja, die keinen Hehl daraus macht, dass sie den "Namen auf ic" abgelegt hat und "unter dem Namen ihrer Mutter" agiert, kann von der Tatigkeit als Schriftstellerin und Ubersetzerin nicht leben.

Melmoth der Wanderer

literarisches werk | literatur (19. jahrhundert) | literatur (englisch) | roman, epik


Die Geschichte "Melmoth der Wanderer" wurde von dem irischen Schrifsteller Charles Robert Maturin im Stile der "Gothic Novel" verfasst. Die knapp 800 Seiten lange Erzählung handelt von Melmoth, der dazu verdammt ist, 150 Jahre durch die Welt zu irren, um auf eigenen Wunsch sein Wissen zu erweitern. Melmoth hat in bester faustischer Manie dazu einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, um seine eigene Wissensgier zu befriedigen.

Shiga Naoya

autor | geboren 1883 | gestorben 1971 | japaner | japanische literatur | literatur (19. jahrhundert) | literatur (20. jahrhundert) | mann | roman, epik


Shiga Naoya ( jap. 志賀 直哉 Shiga Naoya; * 20. Februar 1883 in in Ishinomaki in der japanischen Präfektur Miyagi; † 21. Oktober 1971 in Atami in der japanischen Präfektur Shizuoka) gehört zu den bedeutesten japanischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts.

Leben

Shiga Naoya wurde als Sohn einer wohlhabenden Unternehmerfamilie der Oberschicht mit Samuraitradition geboren. Die patriarchalischen und zugleich vom rücksichtslosen Unternehmertum geprägten Ansichten seines Vaters forderten frühzeitig den Widerstand des Sohnes heraus und führten zu jahrelangen Zwistigkeiten, die sich später im Werk des jungen Autors niederschlagen sollten. Von 1889 bis 1906 besuchte Shiga das elitäre Gakushuin, zur der Zeit eine höhere Schule der Aristokratie und des Großbürgertums. Er studierte anschließend englische Literatur an der kaiserlichen Universität Tokio, die er jedoch vier Jahre später verließ. Er war danach ausschließlich schriftstellerisch tätig. Er gründete 1910 die Literatur-Zeitschrift Shirakaba (Weiße Birke).

Mary Jane Carr

autor | frau | geboren 1895 | gestorben 1988 | journalist | kinder- und jugendbuch | literatur (20. jahrhundert) | literatur (englisch) | roman, epik | us-amerikaner


Mary Jane Carr (* 23. April 1895 in Portland, Oregon; † 4. Januar 1988 ebd.) war eine US-amerikanische Journalistin und Schriftstellerin.

Mary Jane Carr wurde in Portland geboren und besuchte in ihrem Heimatstaat Oregon auch das St. Mary's College. Danach schlug sie eine journalistische Karriere ein, war einige Jahre Mitherausgeber der Zeitung Catholic Sentinel und wechselte später zum Oregonian. Schließlich begann sie damit, Kinderbücher zu schreiben. Ihr erstes dieser Bücher, Children of the Covered Wagon. A story of the old Oregon trail (1934), das die Geschichte des Oregon Trail aus der Perspektive von Kindern erzählt, ist auch ihr bekanntestes geblieben. Der historische Roman kam auf die Auswahlliste der Junior Literary Guild, erlebte mehrere Auflagen und Übersetzungen in andere Sprachen und wurde schließlich 1956 von Walt Disney unter dem Titel Die Karawane der Furchtlosen( Westward Ho the Wagons!) verfilmt. Von ihren weiteren Büchern stand Young Mac of Fort Vancouver (1940) ebenfalls auf der Auswahlliste der Junior Literary Guild.

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