robert walser
Die Rose
erzählung | essay | literarisches werk | literatur (20. jahrhundert) | literatur (deutsch) | robert walser Robert Walser Die Rose ist ein Band Essays von Robert Walser, im Februar 1925 bei Ernst Rowohlt in Berlin erschienen.
In diesem letzten Buch, das Walser noch selber zusammengestellt hat, werden literarische und andere menschliche Bemühungen mehr bitter- ironisch als humoristisch betrachtet. Eine Zahl in runden Klammern verweist auf die Seite in der Quelle oder in der Literaturstelle. Titel erwähnter Kurzgeschichten sind unterstrichen.
Greven (2) bezeichnet diese Sammlung als Miniaturen, Kurzgeschichten sowie literarische und humoristische Betrachtungen. Er nennt jene Exkurse, Parabeln, aphoristischen Gedanken und Anspielungen eine höchst originelle Kulturkritik (Nachwort, 111).
Der Autor tändelt mit seiner Intelligenz (86). Ständig behält er schreibend seinen Leser im Auge - etwa, wenn er einschränkt: falls das nicht übertrieben klingt (88). Gern spricht er beiseite, überblickt dichtend sein Erlebtes (75), glaubt, dass er etwas wert sei (70) und dichtet überhaupt verblüffend trocken (73). Obwohl er spärlich gelesen werde, so ermuntert er sich, gäbe es Leser, die ihn gerade darum schätzten (80). Sogar um das finanzielle Wohlergehen der bedauernswerten Verleger sorgt sich dieser umsichtige Autor. Jene Herren sollten sich Autoren halten, die im Leben sonst noch etwas sind (81).
Sich und sein Handwerk nimmt der Poet nur so ernst als unbedingt nötig. Mensch sein und spazieren sei genau so schön wie die Buchproduktion (Sonntagsspaziergang (I), 10). Ein Poet ist er schon, denn er schätzt eingebildetes Leben höher als wirkliches (101).
In diesem letzten Buch, das Walser noch selber zusammengestellt hat, werden literarische und andere menschliche Bemühungen mehr bitter- ironisch als humoristisch betrachtet. Eine Zahl in runden Klammern verweist auf die Seite in der Quelle oder in der Literaturstelle. Titel erwähnter Kurzgeschichten sind unterstrichen.
Genre
Wilpert kategorisiert die siebenunddreißig kurzen Texte Walsers als Essays.Greven (2) bezeichnet diese Sammlung als Miniaturen, Kurzgeschichten sowie literarische und humoristische Betrachtungen. Er nennt jene Exkurse, Parabeln, aphoristischen Gedanken und Anspielungen eine höchst originelle Kulturkritik (Nachwort, 111).
Eine Ohrfeige
In Eine Ohrfeige und Sonstiges schreibt Walser, er sei schon auf die eigentümlichsten Einfälle (53) gekommen. Von derartigen Skurrilitäten wimmelt es in Walsers Buch. Bei alledem spricht der Autor sein Programm deutlich aus: Nachdem Walser die Kreuzigung Jesu - beinahe blasphemisch - haarklein beschrieben hat (53), meint er, der Schriftsteller solle sich nicht ans Großartige schmiegen, sondern in Kleinigkeiten bedeutend (54) werden.Der Autor tändelt mit seiner Intelligenz (86). Ständig behält er schreibend seinen Leser im Auge - etwa, wenn er einschränkt: falls das nicht übertrieben klingt (88). Gern spricht er beiseite, überblickt dichtend sein Erlebtes (75), glaubt, dass er etwas wert sei (70) und dichtet überhaupt verblüffend trocken (73). Obwohl er spärlich gelesen werde, so ermuntert er sich, gäbe es Leser, die ihn gerade darum schätzten (80). Sogar um das finanzielle Wohlergehen der bedauernswerten Verleger sorgt sich dieser umsichtige Autor. Jene Herren sollten sich Autoren halten, die im Leben sonst noch etwas sind (81).
Sich und sein Handwerk nimmt der Poet nur so ernst als unbedingt nötig. Mensch sein und spazieren sei genau so schön wie die Buchproduktion (Sonntagsspaziergang (I), 10). Ein Poet ist er schon, denn er schätzt eingebildetes Leben höher als wirkliches (101).
Erich
Walser möchte ein großer Dichter sein. Jammerschade, hohe Lieder der Liebe liegen bereits fix und fertig gedichtet vor. Gerne kröche er durchs Lieferantentürli in die Paläste der Literatur (48). Walser nennt den Helden seiner Kurzgeschichte Erich, weil dieser Vorname so blond (44) sei. In dieser Geschichte wird auch Pieter Maritz, der Burensohn, durch den Kakao gezogen. Maupassant, Graf Villiers de l'Isle-Adam, Dumas, Balzac (66) und Sacher-Masoch, der Schilderer östlicher Eigenart (68), kommen in der Geschichte Von einigen Dichtern und einer tugendhaften Frau auch nicht viel besser weg. Und wie hält es der Autor mit Kleist, Goethe, Schiller (67) und besonders mit Hölderlin, dem edlen, der am dichtenden Verstummen zugrunde ging (59)? Walser schämt sich über seine gute Laune, wenn er von solchem Großsein schreibt.» source | Weiterlesen
Poetenleben
erzählung | literarisches werk | literatur (20. jahrhundert) | literatur (deutsch) | robert walser Robert Walser Poetenleben ist ein Band Kurzgeschichten von Robert Walser, im Mai 1917 zu Ende geschrieben und im November desselben Jahres bei Huber & Co. in Frauenfeld/Schweiz erschienen.
In diesem Psychogramm einer Gesellschaft, die den Dichter als bloßes Anhängsel hinnimmt, berichtet der Autor ironisch- parodistisch aus dem Poetenalltag. Eine Zahl in runden Klammern verweist auf die Seite in der Quelle oder in der Literaturstelle. Titel erwähnter Kurzgeschichten sind unterstrichen.
Auch mitten in der Stadt ist der Poet heimisch. Im Park spricht er dreist Die Indianerin (51) an, um mit ihr zu spazieren. Er bekommt keinen Korb, taucht bald mit ihr im Schwarz der Nächtlichkeit unter und darf sie rudern. Der Wanderbursche (53) gönnt sich keine Rast. In einem anmutigen Jägerschlößchen wartet bereits eine einzelne, edle, vornehme reiche Dame extra auf ihn. Die Welt erscheint dem Paar fortan als Traum. Als die Frau wissen möchte, ob der Poet ihr Sohn sein will, nimmt der Befragte Reißaus - spaziert immer weiter wie ein Lebebaron, um einigermaßen die Welt zu genießen (59), in diese hinein.
In diesem Psychogramm einer Gesellschaft, die den Dichter als bloßes Anhängsel hinnimmt, berichtet der Autor ironisch- parodistisch aus dem Poetenalltag. Eine Zahl in runden Klammern verweist auf die Seite in der Quelle oder in der Literaturstelle. Titel erwähnter Kurzgeschichten sind unterstrichen.
Wanderung
Um den wunderbaren, schreckhaften Zauber von Natureinöden (9) geht es in der Wanderung. Unter dem Wahlspruch harmlose Freuden sind wahre Freuden (9) könnten etliche der 25 Geschichten dieses Bandes stehen. Freilich haben es die vagabundierenden Vaganten (8) nicht leicht auf ihren Wanderungen. Der Landjäger (11), erklärter Gegner des Wanderburschen, stellt sich in den Weg und fordert mit finsterer Stimme das gültige Legitimationspapier. Aber ein froher Wanderer nimmt solche Behinderung in Kauf. Wird er doch dafür von der Natur entschädigt. Diese ist auf so geheimnisvolle unerschöpfliche Weise groß, dass der wandernde Poet auch bereits schon unter ihr leidet. Das ist nun einmal so, denn dem Glück auf der Welt ist gewöhnlich der Schmerz beigemischt (15).Auch mitten in der Stadt ist der Poet heimisch. Im Park spricht er dreist Die Indianerin (51) an, um mit ihr zu spazieren. Er bekommt keinen Korb, taucht bald mit ihr im Schwarz der Nächtlichkeit unter und darf sie rudern. Der Wanderbursche (53) gönnt sich keine Rast. In einem anmutigen Jägerschlößchen wartet bereits eine einzelne, edle, vornehme reiche Dame extra auf ihn. Die Welt erscheint dem Paar fortan als Traum. Als die Frau wissen möchte, ob der Poet ihr Sohn sein will, nimmt der Befragte Reißaus - spaziert immer weiter wie ein Lebebaron, um einigermaßen die Welt zu genießen (59), in diese hinein.
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Jakob von Gunten
literarisches werk | literatur (20. jahrhundert) | literatur (deutsch) | robert walser | roman, epik Robert Walser um 1915 Jakob von Gunten ist ein Roman von Robert Walser, geschrieben 1908 in Berlin und dort im Frühjahr 1909 bei Bruno Cassirer erschienen.
Eine Zahl in runden Klammern verweist auf die Seite in der Quelle oder in der Literaturstelle.
Unversehens kommt der ganz liederliche (121) Zögling Jakob in den Genuss der Liebe des Vorstehers der Knabenschule Benjamenta und wählt schließlich den Weg aus der Kultur (163) in die Wüste (164).
Klein sein und bleiben (145) ist Jakobs Maxime. Er ist gern unterdrückt (104). Denn Jakob kann nur in den untern Regionen atmen (145). Immerhin ist der Protagonist adelig von Geburt und der Sohn eines Großrates (161) dazu.
Herrschaft
Der Vorsteher gesteht Jakob, er habe eine nicht mehr zu behherrschende Vorliebe für ihn (94). An Jakob sei etwas Bedeutendes. Der Vorsteher hat keine Erklärung dafür (106). Jakob ist auch überrascht, weiß aber mit Vorgesetzten umzugehen. Er schweigt wohlweislich dazu - auch als ihm der Herr Vorsteher seine Liebe gesteht (95). Als Jakob der Freund und kleine Vertraute des Herrn Vorstehers werden soll, verhält sich der Eleve zögerlich (107). Jakob hat Pech, er bekommt vom Herrn Vorsteher keine Stelle vermittelt, denn der Vorgesetzte, bereits über Vierzig (156), liebt zum erstenmal einen Menschen (129). Dann aber bekommt Jakob hasenartige Angst. Der Herr Vorsteher will ihn erwürgen (142). Später aber möchte der Vorsteher Jakob gar küssen. Der prachtvolle Bursche lehnt das entrüstet ab (148).
Jakob zankt für sein Leben gern und hat für Kraus deshalb so viel übrig, weil ihm dieser bei jeder Gelegenheit zürnt (29), wenn er ihn reizt, ärgert, äfft (87). Kraus hat so etwas Joseph-in-Ägypten-haftes (78), ist ein Nichts, ein Diener (81).
Das Fräulein spielt die Zuschauer, wenn die Eleven kleine Theaterstücke aufführen. In den Stücken wird das bescheidene Dienen versinnbildlicht (113).
Das Fräulein leidet, aber Jakob weiß nicht woran. Schließlich kündigt die Lehrerin Jakob unter vier Augen ihren bevorstehenden Tod an und fordert Stillschweigen (133). Die bemerkenswerte Todesursache wird sein: Das Fräulein ist im Leben von keinem Manne geliebt worden (145). Jakob nimmt die Nachricht beherrscht auf. Er weiß, dass er gemein ist, aber er denkt an seinen Geldmangel. Als das Fräulein gestorben ist, bleiben nur noch Jakob und der Herr Vorsteher bei der Leiche zurück. Der Vorgesetzte, dieser Schuft, hat allen Eleven am Sterbetag seiner Schwester Stellung verschafft (155). Jakob möchte auch unterkommen. Den Herrn Vorsteher überkommt unerhörte Lebens- und Lachlust (156). Er will mit Jakob in die Welt hinein (156). So geschieht es.
Eine Zahl in runden Klammern verweist auf die Seite in der Quelle oder in der Literaturstelle.
Unversehens kommt der ganz liederliche (121) Zögling Jakob in den Genuss der Liebe des Vorstehers der Knabenschule Benjamenta und wählt schließlich den Weg aus der Kultur (163) in die Wüste (164).
Genre
Der Text besteht als undatierten Tagebucheintragungen des Ich-Erzählers Jakob von Gunten. Wilpert kategorisiert das Werk als Roman und Mächler als Tagebuchroman. Martin Walser (auf der Umschlag-Rückseite der Quelle) nennt den Jakob von Gunten Entwicklungsroman einer verhinderten Entwicklung und einen Erziehungsroman. Zwar fällt im Text das Wort Entsagung (100), doch Jakob entsagt auf ernüchternde Weise konträr zu Wilhelm Meister: Ich entwickle mich nicht (144).Klein sein und bleiben (145) ist Jakobs Maxime. Er ist gern unterdrückt (104). Denn Jakob kann nur in den untern Regionen atmen (145). Immerhin ist der Protagonist adelig von Geburt und der Sohn eines Großrates (161) dazu.
zur Form
Der Ich-Erzähler, ein Trotzkopf (125), der seine vielen Fehler (125) wohl kennt, beschränkt sich in seinen Tagebuchaufzeichnungen keineswegs auf das Berichten aus der Knabenschule, dem Institut Benjamenta (7). Niederschriften seiner Phantasien und Träume wechseln mit sachlich Erzähltem ab. Stimmt denn das? Diese Frage kann sich der Leser selten beantworten. Zwar beteuert Jakob Ich lüge nicht gern (135), doch der Leser ertappt sich des Öfteren bei jener o.g. Frage. Allerdings wird meistens von vornherein klar gestellt: Angenommen, ich wäre... (135) oder Mir träumte,... (161). Die allgemeine Verunsicherung des Lesers erscheint als die Absicht des Erzählers. Jakob karikiert z.B. die Lehrer in der Knabenschule; nennt die Herren Wächli, Blösch, Strecker, Doktor Merz, von Bergen, Wyß und Bur (58). Doch die meisten Lehrfächer der Herrschaften fallen aus dem Rahmen des Instituts. In dem Fall gibt Jakob erst zum Schluss wiederum eine zu Papier gebrachte Träumerei zu (59). Der Leser wird vorsichtig. Die Verunsicherung des Lesers durch den fabulierenden Bruder Lustig (154) wird so weit getrieben, dass ersterer schließlich die ganze Geschichte für unglaubwürdig halten muss. Doch das Tagebuch ist keine simple Lügenmär. Sagt doch Jakob einmal von sich, der Gedanke interessiere ihn immer mehr als die Sache selber (144).Figuren
Jakob unterteilt in Herrschaft und Elevenschaft (127).Herrschaft
- Herr Benjamenta, Vorsteher des Instituts Benjamenta (auch: Knabenschule)
- Fräulein Lisa Benjamenta, Lehrerin, seine Schwester
- Jakob von Gunten
- Kraus
- Schacht, Schilinski, Fuchs, der lange Peter, Heinrich, Tremala und Hans
- Johann von Gunten, älterer Bruder Jakobs
Handlung
- Herr Vorsteher
Der Vorsteher gesteht Jakob, er habe eine nicht mehr zu behherrschende Vorliebe für ihn (94). An Jakob sei etwas Bedeutendes. Der Vorsteher hat keine Erklärung dafür (106). Jakob ist auch überrascht, weiß aber mit Vorgesetzten umzugehen. Er schweigt wohlweislich dazu - auch als ihm der Herr Vorsteher seine Liebe gesteht (95). Als Jakob der Freund und kleine Vertraute des Herrn Vorstehers werden soll, verhält sich der Eleve zögerlich (107). Jakob hat Pech, er bekommt vom Herrn Vorsteher keine Stelle vermittelt, denn der Vorgesetzte, bereits über Vierzig (156), liebt zum erstenmal einen Menschen (129). Dann aber bekommt Jakob hasenartige Angst. Der Herr Vorsteher will ihn erwürgen (142). Später aber möchte der Vorsteher Jakob gar küssen. Der prachtvolle Bursche lehnt das entrüstet ab (148).
- Kraus
Jakob zankt für sein Leben gern und hat für Kraus deshalb so viel übrig, weil ihm dieser bei jeder Gelegenheit zürnt (29), wenn er ihn reizt, ärgert, äfft (87). Kraus hat so etwas Joseph-in-Ägypten-haftes (78), ist ein Nichts, ein Diener (81).
- Johann von Gunten
- Fräulein Lehrerin
Das Fräulein spielt die Zuschauer, wenn die Eleven kleine Theaterstücke aufführen. In den Stücken wird das bescheidene Dienen versinnbildlicht (113).
Das Fräulein leidet, aber Jakob weiß nicht woran. Schließlich kündigt die Lehrerin Jakob unter vier Augen ihren bevorstehenden Tod an und fordert Stillschweigen (133). Die bemerkenswerte Todesursache wird sein: Das Fräulein ist im Leben von keinem Manne geliebt worden (145). Jakob nimmt die Nachricht beherrscht auf. Er weiß, dass er gemein ist, aber er denkt an seinen Geldmangel. Als das Fräulein gestorben ist, bleiben nur noch Jakob und der Herr Vorsteher bei der Leiche zurück. Der Vorgesetzte, dieser Schuft, hat allen Eleven am Sterbetag seiner Schwester Stellung verschafft (155). Jakob möchte auch unterkommen. Den Herrn Vorsteher überkommt unerhörte Lebens- und Lachlust (156). Er will mit Jakob in die Welt hinein (156). So geschieht es.
- Träume
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Der Gehülfe
literarisches werk | literatur (20. jahrhundert) | literatur (deutsch) | robert walser | roman, epik Robert Walser um 1915 Der Gehülfe ist ein Roman von Robert Walser, geschrieben 1907 in Berlin und dort im Mai 1908 bei Bruno Cassirer erschienen.
Der 24-jährige Joseph Marti, Gehülfe des Ingenieurs Carl Tobler, erlebt während eines halben Jahres den Ruin des erfolglosen Erfinders und geht seiner Wege. Eine Zahl in runden Klammern verweist auf die Seite in der Quelle oder in der Literaturstelle.
Walsers Mutter Elisa trug als Mädchen denselben Familiennamen wie der Protagonist: Marti (Mächler, 16).
Nach Möglichkeit genießt Joseph den Sommer; schwimmt, rudert des Nachts Frau Tobler und die vier Kinder über den See. Musik erklingt, umschlingt den dunklen, duftenden Leib der Seesommernachtstille (53).
Tobler fordert von Joseph Pünktlichkeit. Wenn der Gehülfe sich im Bureau ein wenig verspätet, gibt es ein Donnerwetter. Joseph schweigt bei solcher Gelegenheit wohlüberdachtermaßen (59). Tobler schimpft auf Bärenswil, das Drecknest und meint in Wirklichkeit dessen Bewohner, die die Erfolglosigkeit des Erfinders riechen und sich geordnet zurückziehen (71).
Während der Arbeit darf Joseph von Toblers Zigarrenstumpen rauchen. Der Chef war vor drei Jahren einfacher Hilfsingenieur in einer großen Maschinenfabrik gewesen (71), hatte geerbt, sein Geld aber in den Kauf der Villa und die Reklame-Uhr gesteckt. Deshalb muss schnellstens Geld her. Als Geldgeber soll ein Kapitalist, möglichst ein Fabrikherr, gewonnen werden, damit die Massenanfertigung der patentierten Erfindungen gleich beginnen kann (45). Daraus wird im ganzen Roman nichts. Tobler muss vielmehr Zahlungsverweigerungsgründe erfinden. Selbst im Herbst zeigt sich keinerlei Umschwung (162), obwohl Tobler auf andauernden Geschäftsreisen nicht müde wird, jenen Kapitalisten zu finden. Als ein Kapitalist in der Villa vorspricht, ist Tobler gerade verreist. Joseph muss einspringen und vertreibt den potentiellen Geldgeber durch sein unverantwortliches kopfloses Benehmen (80). Tobler tobt nach seiner Rückkehr von der Reise, kann aber verzeihen. Er schenkt dem Gehülfen einige von seinen abgetragenen Kleidern. Der beleidigte Joseph begehrt zwar wortreich auf, nimmt die Kleidergeschenke schließlich doch. Wenn Tobler seine Frau misshandelt, kann Joseph nicht anders - er schreitet ein; ermahnt den Herrn Ingenieur (87). Der Erfinder, nie verlegen, hält dem Angestellten vor, ein großes Maul haben, das könne jeder. Leisten solle er endlich etwas (147). Angesichts der sich häufenden unbezahlten Wechsel gibt sich Tobler kämpferisch: Eine Idee stirbt oder sie siegt (175). Dabei pumpt er auf seinen Reisen bereits Bekannte und Verwandte an (176). Schließlich muss Tobler auf Schuldforderungen seine Illiquidität eingestehen (181). Aber ein mütterliches Erbteil hat er noch (182). Doch der Betrag, den die Mutter herausrückt, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, kann lediglich die wildesten Gläubiger und Schuldenforderer (219) ein klein wenig besänftigen. Um in den Genuss des Geldes der Mutter zu gelangen, muss Tobler gar die Ehefrau vorschicken. Nicht einmal dem Verwalter des hauptstädtischen Stellenvermittlungsbureaus (183) wird das geringe Vermittlungsentgelt ausbezahlt. Das Elektrizitätswerk schalten den Strom für die Villa ab (223).
Der 24-jährige Joseph Marti, Gehülfe des Ingenieurs Carl Tobler, erlebt während eines halben Jahres den Ruin des erfolglosen Erfinders und geht seiner Wege. Eine Zahl in runden Klammern verweist auf die Seite in der Quelle oder in der Literaturstelle.
Wahrheit und Dichtung
Walser lässt den Gehülfen in einem Dorf Bärenswil, eine gute Dreiviertelstunde Eisenbahnfahrt von der großen Kantonshauptstadt entfernt (69), auftreten. Jener Ort der Handlung, die Villa zum Abendstern, steht zu Wädenswil am Zürichsee. Das geht aus einem Brief Robert Walsers vom 14. Dezember 1920 an Curt Wüest hervor. Ein Faksimile des Briefs befindet sich in Mächler zwischen den Seiten 112 und 113. Darauf ist der Turm zu sehen, in dem der Gehülfe untergebracht war. Das Anwesen wurde vom Maschinentechniker Carl Dubler, seiner Gattin Frieda und den gemeinsamen vier Kindern bewohnt. Die Vornamen der Kinder wurden genauso in den Romantext übernommen wie die Erfindungen des Technikers - die Reklame-Uhr, der Verkaufsautomat für Gewehrmunition und der Krankenstuhl. Walser hat reichlich vier Monate in dem Haus als Angestellter Dublers gewohnt und es zum Neujahr 1904 vorm Konkurs des erfolglosen Unternehmers verlassen (Nachwort, 299f.).Walsers Mutter Elisa trug als Mädchen denselben Familiennamen wie der Protagonist: Marti (Mächler, 16).
Joseph Marti
- Villa zum Abendstern
Nach Möglichkeit genießt Joseph den Sommer; schwimmt, rudert des Nachts Frau Tobler und die vier Kinder über den See. Musik erklingt, umschlingt den dunklen, duftenden Leib der Seesommernachtstille (53).
- Die Erfindungen
- Der Erfinder
Tobler fordert von Joseph Pünktlichkeit. Wenn der Gehülfe sich im Bureau ein wenig verspätet, gibt es ein Donnerwetter. Joseph schweigt bei solcher Gelegenheit wohlüberdachtermaßen (59). Tobler schimpft auf Bärenswil, das Drecknest und meint in Wirklichkeit dessen Bewohner, die die Erfolglosigkeit des Erfinders riechen und sich geordnet zurückziehen (71).
Während der Arbeit darf Joseph von Toblers Zigarrenstumpen rauchen. Der Chef war vor drei Jahren einfacher Hilfsingenieur in einer großen Maschinenfabrik gewesen (71), hatte geerbt, sein Geld aber in den Kauf der Villa und die Reklame-Uhr gesteckt. Deshalb muss schnellstens Geld her. Als Geldgeber soll ein Kapitalist, möglichst ein Fabrikherr, gewonnen werden, damit die Massenanfertigung der patentierten Erfindungen gleich beginnen kann (45). Daraus wird im ganzen Roman nichts. Tobler muss vielmehr Zahlungsverweigerungsgründe erfinden. Selbst im Herbst zeigt sich keinerlei Umschwung (162), obwohl Tobler auf andauernden Geschäftsreisen nicht müde wird, jenen Kapitalisten zu finden. Als ein Kapitalist in der Villa vorspricht, ist Tobler gerade verreist. Joseph muss einspringen und vertreibt den potentiellen Geldgeber durch sein unverantwortliches kopfloses Benehmen (80). Tobler tobt nach seiner Rückkehr von der Reise, kann aber verzeihen. Er schenkt dem Gehülfen einige von seinen abgetragenen Kleidern. Der beleidigte Joseph begehrt zwar wortreich auf, nimmt die Kleidergeschenke schließlich doch. Wenn Tobler seine Frau misshandelt, kann Joseph nicht anders - er schreitet ein; ermahnt den Herrn Ingenieur (87). Der Erfinder, nie verlegen, hält dem Angestellten vor, ein großes Maul haben, das könne jeder. Leisten solle er endlich etwas (147). Angesichts der sich häufenden unbezahlten Wechsel gibt sich Tobler kämpferisch: Eine Idee stirbt oder sie siegt (175). Dabei pumpt er auf seinen Reisen bereits Bekannte und Verwandte an (176). Schließlich muss Tobler auf Schuldforderungen seine Illiquidität eingestehen (181). Aber ein mütterliches Erbteil hat er noch (182). Doch der Betrag, den die Mutter herausrückt, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, kann lediglich die wildesten Gläubiger und Schuldenforderer (219) ein klein wenig besänftigen. Um in den Genuss des Geldes der Mutter zu gelangen, muss Tobler gar die Ehefrau vorschicken. Nicht einmal dem Verwalter des hauptstädtischen Stellenvermittlungsbureaus (183) wird das geringe Vermittlungsentgelt ausbezahlt. Das Elektrizitätswerk schalten den Strom für die Villa ab (223).
- Frau Tobler
- Wirsich auf Besuch
- Dora, Silvi, Edi, Walter und Pauline
- Joseph geht weiter
Selbstzeugnis
- Robert Walser sagte zu Carl Seelig: Der 'Gehülfe' ist ein ganz und gar realistischer Roman. Ich brauchte fast nichts zu erfinden. Das Leben hat das für mich besorgt (Nachwort, 300).
Rezeption
- Hesse schreibt 1936, zwar sei der Gehülfe voll von Stimmungen vom Anfang des 20. Jahrhunderts, doch bezaubere die Erzählung durch die zeitlose Anmut ihres Vortrags, durch die zart und absichtslos spielende Magie (Michels, 461).
- Nach Zollinger sei Walsers unbeschreiblicher Zauber zurückzuführen auf seine pedantische Unbestechlichkeit (Nachwort, 305).
- Anne Gabrisch schreibt 1983, Herr und Diener seien gleichermaßen närrisch - ein Paar von fürchterlicher Komik. Und von weither an Don Quijote und Sancho Pansa erinnernd (Nachwort, 307).
- Mächler (81f.) erzählt aus der Entstehungsgeschichte des Gehülfen. Der Roman sei im Rahmen eines Wettbewerbs des Scherl-Verlages in sechs Wochen niedergeschrieben worden. Walser habe achttausend Mark Honorar verlangt, das Manuskript jedoch wegen der hohen Forderung postwendend zurückerhalten. Als sich Walser darauf mit dem Verlagsleiter stritt, soll dem Autor entfahren sein: Sie Kamel verstehen überhaupt nichts von Literatur.
- Sprengel resümiert, die Bärenswiler erweisen sich als Nachfolger der Leute von Seldwyla.
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Geschwister Tanner
literarisches werk | literatur (20. jahrhundert) | literatur (deutsch) | robert walser | roman, epik Robert Walser um 1915 Geschwister Tanner ist ein Roman von Robert Walser, Anfang 1906 in nur sechs Wochen in Berlin geschrieben und dort Anfang 1907 bei Bruno Cassirer erschienen.
Der 20-jährige verhinderte Bankangestellte Simon Tanner ist auf der Suche nach dem passenden Platz im Leben. Seine vier Geschwister, die Schullehrerin Hedwig Tanner, der Gelehrte Dr. Klaus Tanner, der Maler Kaspar Tanner und der Irrenhäusler Emil Tanner, können ihm dabei wenig helfen. Eine Zahl in runden Klammern verweist auf die Seite in der Quelle oder in der Literaturstelle.
Der immerwährende Berufswechsel missfällt dem ältesten Bruder Klaus, der sich für seinen jüngsten Bruder Simon verantwortlich fühlt, sehr. Zwar nennt Klaus den Bruder Simon einen Müssiggänger (154), doch ist der Gelehrte so rücksichtsvoll und feinfühlig, dass es über den ganzen Roman hinweg nie zu einer heftigen Kontroverse zwischen den beiden Brüdern kommt. Simon, nachlässig, verspricht Klaus, daß es bald aufhört (155) mit der Faulenzerei. Klaus nimmt das leere Versprechen gutgläubig hin und leistet somit dem Schlendrian Vorschub.
Als der Träumer, ein Freund des Unglücks (240), erwacht, liest er in dem Roman von Stendhal weiter.
Stellvertretend für jene Schar Unbekannter, denen Simon noch begegnet, sei die bereits ganz oben erwähnte Vorsteherin aufgeführt. Die Vorsteherin hat ihren ersten Kurzauftritt als allerletzte Figur am Romanschluss. Zu Weihnachten wandert Simon, der unverwüstliche Mensch, der allerhand Missgeschick zu ertragen versteht (239), an den Stadtrand hinauf zu Klaras Waldhaus, das inzwischen Kurhaus für das Volk (309) geworden ist. Die Vorsteherin kann sich an Simon nicht sattsehen. Warum braucht Simon seine Zeche im Kurhaus nicht zu bezahlen? Wegen jener Freundlichkeit der Vorsteherin etwa, als sie fragt, ob wir nicht alle Geschwister auf diesem verlorenen Planeten sind? In jener Frage wird ein Titelwort des Buches - Geschwister - angesprochen. Das ist es nicht nur. Simon, scheinbar etwas verkommen, hat etwas Fesselndes (315). Die Vorsteherin steht für alle Figuren, denen Simon im Roman begegnete - sie ist seine arme, glückliche Gefangene (332). Kafka hat jene glückliche Gefangenschaft sogar noch auf Simons Geschwister ausgedehnt: Simon ist, glaube ich, ein Mensch in jenen Geschwistern (Nachwort, 353).
In Anlehnung an Brentano könnte man "Geschwister Tanner" auch als einen etwas " verwilderten Roman" bezeichnen (Nachwort, 351). Die Rede ist von allerlei unübersehbaren Gestaltungsschwächen. Ellenlange Monologe sind nur oberflächlich mit der Handlung verwoben. Der wortreich predigende Ton fordert den geduldigen Leser. In den letzten beiden Kapiteln (281 - 332) verliert der Prosaton von seiner Poesie. Es entsteht der Eindruck, als wolle der Autor fertig werden.
Der Lektor Christian Morgenstern überzeugte seinen Chef, den Verleger Bruno Cassirer, von den Qualitäten der Geschwister Tanner, sodass Cassirer den Roman annahm. Trotzdem enthält der Brief, den Morgenstern im September 1906 an Walser aus Obermais bei Meran schrieb, ein insgesamt doch fast vernichtendes Urteil (Brief auszugsweise zitiert in: Mächler, 72 - 74). In dem Schreiben sind die meisten der schweren Vorwürfe auffindbar, die ein Lektor gewöhnlich einem Anfänger macht.
Der 20-jährige verhinderte Bankangestellte Simon Tanner ist auf der Suche nach dem passenden Platz im Leben. Seine vier Geschwister, die Schullehrerin Hedwig Tanner, der Gelehrte Dr. Klaus Tanner, der Maler Kaspar Tanner und der Irrenhäusler Emil Tanner, können ihm dabei wenig helfen. Eine Zahl in runden Klammern verweist auf die Seite in der Quelle oder in der Literaturstelle.
Simon Tanner
- Liebe statt Sehnsucht
- Bruder Klaus
Der immerwährende Berufswechsel missfällt dem ältesten Bruder Klaus, der sich für seinen jüngsten Bruder Simon verantwortlich fühlt, sehr. Zwar nennt Klaus den Bruder Simon einen Müssiggänger (154), doch ist der Gelehrte so rücksichtsvoll und feinfühlig, dass es über den ganzen Roman hinweg nie zu einer heftigen Kontroverse zwischen den beiden Brüdern kommt. Simon, nachlässig, verspricht Klaus, daß es bald aufhört (155) mit der Faulenzerei. Klaus nimmt das leere Versprechen gutgläubig hin und leistet somit dem Schlendrian Vorschub.
- Klara Agappaia
- Bruder Kaspar
- Schwester Hedwig
- Die Zauberin
Als der Träumer, ein Freund des Unglücks (240), erwacht, liest er in dem Roman von Stendhal weiter.
- Bruder Emil
- Gefangene
Stellvertretend für jene Schar Unbekannter, denen Simon noch begegnet, sei die bereits ganz oben erwähnte Vorsteherin aufgeführt. Die Vorsteherin hat ihren ersten Kurzauftritt als allerletzte Figur am Romanschluss. Zu Weihnachten wandert Simon, der unverwüstliche Mensch, der allerhand Missgeschick zu ertragen versteht (239), an den Stadtrand hinauf zu Klaras Waldhaus, das inzwischen Kurhaus für das Volk (309) geworden ist. Die Vorsteherin kann sich an Simon nicht sattsehen. Warum braucht Simon seine Zeche im Kurhaus nicht zu bezahlen? Wegen jener Freundlichkeit der Vorsteherin etwa, als sie fragt, ob wir nicht alle Geschwister auf diesem verlorenen Planeten sind? In jener Frage wird ein Titelwort des Buches - Geschwister - angesprochen. Das ist es nicht nur. Simon, scheinbar etwas verkommen, hat etwas Fesselndes (315). Die Vorsteherin steht für alle Figuren, denen Simon im Roman begegnete - sie ist seine arme, glückliche Gefangene (332). Kafka hat jene glückliche Gefangenschaft sogar noch auf Simons Geschwister ausgedehnt: Simon ist, glaube ich, ein Mensch in jenen Geschwistern (Nachwort, 353).
Zitate
- Man paßt dahin, wohin man sich sehnt (90).
- Das Zufällige ist immer das Wertvollste (244).
Selbstzeugnis
- Walser im Mai 1914 über das Schreiben der Geschwister Tanner: Der bessere Gedanke und der damit verbundene Schaffensmut tauchte nur langsam aus den Abgründen der Selbstnichtachtung und des leichtsinnigen Unglaubens hervor. Voller Entzücken hing ich an dem fröhlichen Grundgedanken, und indem ich nur fleißig immer weiter schrieb, fand ich den Zusammenhang (Nachwort, 336).
Rezeption
- Kafka urteilt über den Simon Tanner: Das ist eine sehr schlechte Karriere, aber nur eine schlechte Karriere gibt der Welt das Licht (Nachwort, 354).
- "Geschwister Tanner" hat eine episodische Struktur: Der ruhelose Held befährt die Welt, sammelt Erlebnisse und Erfahrungen, entwickelt sich dabei aber selbst im Grunde nicht (Nachwort, 346).
- Hinter der idealisierenden Schilderung verbirgt sich ein faktisch-autobiographischer Kern (Nachwort, 348).
- Spiegelgasse - die erste Adresse in Zürich: Nicht nur, dass Simon seiner Zimmerwirtin Frau Weiß zu guter Letzt den Mietbetrag schuldig bleiben muss - mehr noch, er pumpt die Frau sogar erfolgreich an (284). Im Roman Der Gehülfe schreibt der Protagonist Joseph Marti auf Seite 15 seiner ehemaligen Wirtin Frau Weiß einen Brief, in dem er seine Schulden anspricht. In seinem Nachwort zu Fritz Kochers Aufsätze schreibt Greven (115): Im Frühjahr 1902 mietete sich Walser in Zürich in der Spiegelgasse Nr. 23 bei der Frau Weiß ein. In derselben Gasse hatte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Lavater gelebt, war am 19. Februar 1837 Büchner gestorben und lebte später während des Ersten Weltkrieges ein paar Häuser weiter - in der Nr.14 - Lenin.
- Hesse (Michels, 456) schätzt ein, Fritz Kochers Aufsätze, Geschwister Tanner und Der Gehülfe können in einem Zusammenhange gesehen werden.
- Ein wichtiges Thema des Romans ist die Kritik der modernen Arbeitswelt und damit die Funktionalisierung des Menschen. Simon Tanner weigert sich, sich diesem Prozeß der Entfremdung, den er durchschaut, anheimzugeben - diese Weigerung isoliert ihn. Simon, der Außenseiter und Träumer, klage in seinen Monologen die äußere Welt an (Nachwort, 349).
- Der archimedische Punkt, auf dem sie [Walsers Figuren] stehen, ist jener der Souveränität (Klaus-Michael Hinz, zitiert in: Nachwort, 351).
- Mächler (74) lobt den Roman als ungewöhnlich dichterisches Buch, das die Grundbeziehungen zwischen den Mitgliedern der Familie Walser reflektiere.
- Anne Gabrisch bemängelt 1984 die Sorglosigkeit des Details. Als Beispiel wird die Wiederbegegnung Simons mit Klara Agappaia angeführt. Das kleine Kind, das sie von dem Türken (292) empfangen hat, ist mal männlich, mal weiblich (Nachwort, 348).
zur Form
Romantisches Vorbild des Simon Tanner ist zweifelsohne - wie Sprengel (211) bemerkt - der Taugenichts von Eichendorff.In Anlehnung an Brentano könnte man "Geschwister Tanner" auch als einen etwas " verwilderten Roman" bezeichnen (Nachwort, 351). Die Rede ist von allerlei unübersehbaren Gestaltungsschwächen. Ellenlange Monologe sind nur oberflächlich mit der Handlung verwoben. Der wortreich predigende Ton fordert den geduldigen Leser. In den letzten beiden Kapiteln (281 - 332) verliert der Prosaton von seiner Poesie. Es entsteht der Eindruck, als wolle der Autor fertig werden.
Der Lektor Christian Morgenstern überzeugte seinen Chef, den Verleger Bruno Cassirer, von den Qualitäten der Geschwister Tanner, sodass Cassirer den Roman annahm. Trotzdem enthält der Brief, den Morgenstern im September 1906 an Walser aus Obermais bei Meran schrieb, ein insgesamt doch fast vernichtendes Urteil (Brief auszugsweise zitiert in: Mächler, 72 - 74). In dem Schreiben sind die meisten der schweren Vorwürfe auffindbar, die ein Lektor gewöhnlich einem Anfänger macht.
Romantik
- Das Land blühte mit einem heißen Atem, kam fast um vor Blühen (158)... duftend mit seinen Düften (159).
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Fritz Kochers Aufsätze
erzählung | literarisches werk | literatur (20. jahrhundert) | literatur (deutsch) | robert walser Robert Walser um 1915 Fritz Kochers Aufsätze sind Erzählungen von Robert Walser, im Insel Verlag Leipzig 1904 erschienen.
Außer den Aufsätzen des Gymnasiasten Fritz Kocher enthält dieses erste Buch Walsers noch die Betrachtungen Der Commis, Der Wald und die Tagebuchaufzeichnung Ein Maler. Eine Zahl in runden Klammern verweist auf die Seite in der Quelle oder in der Literaturstelle.
Beim Aufsatz Freundschaft (14 - 16) fühlt sich Fritz überfordert. Das Thema ist mehr etwas für den Schriftsteller von Beruf. Trotzdem schreibt er tapfer drauflos. Auf das Lieben und Schätzen kommt es bei der Freundschaft an. Doch leider gibt es Menschen, die nur deshalb als unsere Freunde erscheinen wollen, um uns kränken und schaden zu können. Fritz hat beobachtet, Spaßvögel haben Mühe, sich Freunde zu erwerben.
Mit sarkastischem Blick fixiert Fritz die Armut (16- 18) in seiner Umgebung. Für arme Frauen hat er eine Vorliebe, weil sie so schön bitten können. Armut hat ihr Gutes. Sie macht die Reichen mildtätig. Fritz liebt die armen Knaben in seiner Schulklasse nicht, weil sie ihm seinen Wohlstand neiden und über seine schulischen Mißerfolge schadenfroh sind. Im Übrigen bekümmert sich Fritz nicht darum, was in den Fabriken gemacht wird. Er weiß nicht, weshalb alle armen Leute in der Fabrik arbeiten und vermutet als Beschäftigungsursache eine Bestrafung dafür, daß sie so arm sind (36).
In seinem Abstecher ins Reich der Höflichkeit (20 - 22), in dem es auch schauerliche Abgründe gibt, schauerlicher, als sie im Hochgebirge sind, gelangt Fritz schreibend zu der Erkenntnis, Höflichkeit wäre eigentlich überflüssig, wenn nur sehr wenig Menschen verstreut auf der Erde lebten.
Im Aufsatz Das Vaterland (30 - 32) vergleicht Fritz die Untertanen anderer Länder mit Haustieren. Er hingegen ist glühender Republikaner. Dummerweise liegt Fritz, Schüler der zweiten A-Klasse, noch wie an der Kette.
Fritz weiß wohl, wie Aufsätze zu schreiben sind. Auf den Stil kommt es an. Denn den setzt er mit Ordnungssinn (45) gleich.
Der Autor weiß, Ruhe und Wald sind eins (107). Trotz dieses Wissens hat er mit Unruhe diese Ruhe beschrieben. Ein Fehler vielleicht, so überschaut er kritisch seinen schwierigen Versuch, über etwas Schönes exakt und bestimmt zu schreiben (106). Nicht das tiefe Philosophieren des Autors ist bemerkenswert (104), sondern seine treffliche Beschreibung des Waldes in der Schweiz, in dem der Dichter mit einem guten Gedicht fertig werden kann (102).
Überschwänglich ist sie geraten, diese Eloge an den Wald: Sterben möchte der Autor mit seiner Liebe zum Wald (102).
Außer den Aufsätzen des Gymnasiasten Fritz Kocher enthält dieses erste Buch Walsers noch die Betrachtungen Der Commis, Der Wald und die Tagebuchaufzeichnung Ein Maler. Eine Zahl in runden Klammern verweist auf die Seite in der Quelle oder in der Literaturstelle.
Fritz Kochers Aufsätze
Ebenso wie im Rollengedicht übernimmt bei der Rollenprosa (Wilpert anno 2001, 697) der Autor die Rolle einer Figur - hier die des Schülers Fritz.- Die Eltern
- Das Leben
Beim Aufsatz Freundschaft (14 - 16) fühlt sich Fritz überfordert. Das Thema ist mehr etwas für den Schriftsteller von Beruf. Trotzdem schreibt er tapfer drauflos. Auf das Lieben und Schätzen kommt es bei der Freundschaft an. Doch leider gibt es Menschen, die nur deshalb als unsere Freunde erscheinen wollen, um uns kränken und schaden zu können. Fritz hat beobachtet, Spaßvögel haben Mühe, sich Freunde zu erwerben.
Mit sarkastischem Blick fixiert Fritz die Armut (16- 18) in seiner Umgebung. Für arme Frauen hat er eine Vorliebe, weil sie so schön bitten können. Armut hat ihr Gutes. Sie macht die Reichen mildtätig. Fritz liebt die armen Knaben in seiner Schulklasse nicht, weil sie ihm seinen Wohlstand neiden und über seine schulischen Mißerfolge schadenfroh sind. Im Übrigen bekümmert sich Fritz nicht darum, was in den Fabriken gemacht wird. Er weiß nicht, weshalb alle armen Leute in der Fabrik arbeiten und vermutet als Beschäftigungsursache eine Bestrafung dafür, daß sie so arm sind (36).
In seinem Abstecher ins Reich der Höflichkeit (20 - 22), in dem es auch schauerliche Abgründe gibt, schauerlicher, als sie im Hochgebirge sind, gelangt Fritz schreibend zu der Erkenntnis, Höflichkeit wäre eigentlich überflüssig, wenn nur sehr wenig Menschen verstreut auf der Erde lebten.
Im Aufsatz Das Vaterland (30 - 32) vergleicht Fritz die Untertanen anderer Länder mit Haustieren. Er hingegen ist glühender Republikaner. Dummerweise liegt Fritz, Schüler der zweiten A-Klasse, noch wie an der Kette.
- Der Lehrer
- Die Kunst
Fritz weiß wohl, wie Aufsätze zu schreiben sind. Auf den Stil kommt es an. Denn den setzt er mit Ordnungssinn (45) gleich.
Der Commis
Eine Handlung gibt es nicht in diesem Sarkasmus. Der Untertitel - Eine Art Illustration - weist darauf hin: Nach der Lektüre weiß der Leser, was ein Commis ist. Der Commis besitzt Fleiß, Takt und Anpassungsgefühl (50), trägt einen weißen reinlichen Stehkragen, ist äußerst verwandlungsfähig (52) und naiv, gutmütig, höflich wie tüchtig (64). Als guter Rechner und Haushalter tut er seine Arbeit in Ruhe, Zurückgezogenheit und Bescheidenheit (64) im kargen Bureau. Außer Stellung geraten, ist der Commis eine der schrecklichsten Erscheinungen. Hungernde Arbeiter (57) sind nichts dagegen.Ein Maler
Die Blätter aus dem Notizbuch eines Malers (66) beschreiben den Weg dieses Künstlers ins Hochgebirge. Er kommt aus jener Großstadt, wo der Kummer der Vielen das glänzende Glück der Wenigen ausmacht (69). In der Bergeinsamkeit erhält er Obdach bei der kunstsinnigen Gräfin. Der Landschaftsmaler findet um das Haus der Gräfin herum alle Objekte vor, die er liebt: Tannen und seine Lieblingsfarbe Grau. Er malt die Bergwelt nach der Devise: Malen ist die kälteste Kunst, und es dominieren neben der Beobachtung der Geist und das Sinnieren (74). In einem Atemzug spricht er den Dichtern, diesen Starrköpfen, Naturkenntnis ab. Dann malt er die Gräfin. Unbeweglich und kalt vor sich hinschauend sitzt sie ihm Modell (81). Das Bildnis gelingt. Darauf kommt ein weltberühmter Dichter. Die Gräfin stellt dem Todkranken ihr Haus zum Sterben zur Verfügung. Jener Ankömmling darf in dem Hause bis auf den letzten Tag seiner Laster ohne jedwede Einschränkung frönen. Der Maler malt den sterbenden Dichter, wie er hinausschaut zu den Tannen und wie die Bäume ihrerseits zum Fenster hereinschauen. Dann vergisst der Maler die Kunst. Die Gräfin gebietet nämlich, sie zu lieben. Der Maler gehorcht. Die Geschichte geht für die Gräfin nicht gut aus. Der Maler kann Liebe nicht ertragen, ist für ein kälteres Leben bestimmt (89). Woran liegt es, so fragt er sich, daß Künstler zu keiner Ruhe kommen? (90) Und er verlässt die Geliebte.Der Wald
Der Autor wird nicht müde im jubelnden Preisen des heimatlichen Waldes als auserwähltes Ziel der Städter und grüner Aufenthalt der Wanderburschen. Schon in Fritz Kochers Aufsatz Mein Berg (32 - 34) klingt das große Walsersche Thema Wald an: Die gewaltigen Buchen auf dem Rücken des Bözingenberges, benannt nach dem Dorf Bözingen an seinem Fuße. Bözingen ist ein Ortsteil von Biel, dem Geburtsort Walsers. Der Autor lebte bis zu seinem 17. Lebensjahr in Biel. Es kann sich in dem Lobpreis Der Wald nur um die Wälder der Schweiz handeln.Der Autor weiß, Ruhe und Wald sind eins (107). Trotz dieses Wissens hat er mit Unruhe diese Ruhe beschrieben. Ein Fehler vielleicht, so überschaut er kritisch seinen schwierigen Versuch, über etwas Schönes exakt und bestimmt zu schreiben (106). Nicht das tiefe Philosophieren des Autors ist bemerkenswert (104), sondern seine treffliche Beschreibung des Waldes in der Schweiz, in dem der Dichter mit einem guten Gedicht fertig werden kann (102).
Überschwänglich ist sie geraten, diese Eloge an den Wald: Sterben möchte der Autor mit seiner Liebe zum Wald (102).
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