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Die Wikipedia Einträge des Tages

literatur (deutsch)

Der steinerne Wolf

fantasyliteratur | horrorliteratur | literarisches werk | literatur (20. jahrhundert) | literatur (deutsch)


Das tote Land ist ein Fantasyroman von Wolfgang Hohlbein aus dem Jahr 1984 und der vierte Band der Enwor-Saga. Zudem stellt er den drtten und abschließenden Teil der Stein der Macht-Tilogie dar.

Handlung

Vela ist mit dem Stein der Macht geflüchtet; ihr Ziel: die Festung von Elay, Stadt der Errish. Um Vela zu folgen müsste Skar eine verschneite Bergkette passieren. Da dieses Vorhaben jedoch unmöglich ist, entscheidet er sich die Verfolgung über den Seeweg. Er fährt mit einem alten Freisegler bis zur Hafenstat Anchor, südlich von Elay. Andred, der Kapitän des Schiffes macht Skar mit Herger, einem Schmuggler bekannt bei dem dei beiden für eine Nacht Unterschlupf finden. Gemeinsam mit Herger begibt sich Skar nach Elay. Unterwegs finden sie einen schwerverletzten Quorrl. In der Hoffnung Informationen von dem Schuppenkrieger zu bekommen retten sie ihm das Leben. Auf einer Trage gefesselt nehmen sie den Quorrl mit. Nach einer Weile finden sie zwei Krieger Velas tot im Schnee, daneben eine Wolfsspur: Der steinerne Wolf hat die beiden schwergepanzerten Krieger ohne Mühe getötet.

Fritz Stüber-Gunther

geboren 1872 | gestorben 1922 | literatur (19. jahrhundert) | literatur (20. jahrhundert) | literatur (deutsch) | mann


Fritz Stüber-Gunther (* 22. März 1872 in Gauzendorf bei Wien; † 15. September 1922 in Wien war ein Schriftsteller und Finanzbeamter aus Österreich.

Leben

Die Rose

erzählung | essay | literarisches werk | literatur (20. jahrhundert) | literatur (deutsch) | robert walser


Robert Walser Die Rose ist ein Band Essays von Robert Walser, im Februar 1925 bei Ernst Rowohlt in Berlin erschienen.
In diesem letzten Buch, das Walser noch selber zusammengestellt hat, werden literarische und andere menschliche Bemühungen mehr bitter- ironisch als humoristisch betrachtet. Eine Zahl in runden Klammern verweist auf die Seite in der Quelle oder in der Literaturstelle. Titel erwähnter Kurzgeschichten sind unterstrichen.

Genre

Wilpert kategorisiert die siebenunddreißig kurzen Texte Walsers als Essays.
Greven (2) bezeichnet diese Sammlung als Miniaturen, Kurzgeschichten sowie literarische und humoristische Betrachtungen. Er nennt jene Exkurse, Parabeln, aphoristischen Gedanken und Anspielungen eine höchst originelle Kulturkritik (Nachwort, 111).

Eine Ohrfeige

In Eine Ohrfeige und Sonstiges schreibt Walser, er sei schon auf die eigentümlichsten Einfälle (53) gekommen. Von derartigen Skurrilitäten wimmelt es in Walsers Buch. Bei alledem spricht der Autor sein Programm deutlich aus: Nachdem Walser die Kreuzigung Jesu - beinahe blasphemisch - haarklein beschrieben hat (53), meint er, der Schriftsteller solle sich nicht ans Großartige schmiegen, sondern in Kleinigkeiten bedeutend (54) werden.
Der Autor tändelt mit seiner Intelligenz (86). Ständig behält er schreibend seinen Leser im Auge - etwa, wenn er einschränkt: falls das nicht übertrieben klingt (88). Gern spricht er beiseite, überblickt dichtend sein Erlebtes (75), glaubt, dass er etwas wert sei (70) und dichtet überhaupt verblüffend trocken (73). Obwohl er spärlich gelesen werde, so ermuntert er sich, gäbe es Leser, die ihn gerade darum schätzten (80). Sogar um das finanzielle Wohlergehen der bedauernswerten Verleger sorgt sich dieser umsichtige Autor. Jene Herren sollten sich Autoren halten, die im Leben sonst noch etwas sind (81).
Sich und sein Handwerk nimmt der Poet nur so ernst als unbedingt nötig. Mensch sein und spazieren sei genau so schön wie die Buchproduktion (Sonntagsspaziergang (I), 10). Ein Poet ist er schon, denn er schätzt eingebildetes Leben höher als wirkliches (101).

Erich

Walser möchte ein großer Dichter sein. Jammerschade, hohe Lieder der Liebe liegen bereits fix und fertig gedichtet vor. Gerne kröche er durchs Lieferantentürli in die Paläste der Literatur (48). Walser nennt den Helden seiner Kurzgeschichte Erich, weil dieser Vorname so blond (44) sei. In dieser Geschichte wird auch Pieter Maritz, der Burensohn, durch den Kakao gezogen. Maupassant, Graf Villiers de l'Isle-Adam, Dumas, Balzac (66) und Sacher-Masoch, der Schilderer östlicher Eigenart (68), kommen in der Geschichte Von einigen Dichtern und einer tugendhaften Frau auch nicht viel besser weg. Und wie hält es der Autor mit Kleist, Goethe, Schiller (67) und besonders mit Hölderlin, dem edlen, der am dichtenden Verstummen zugrunde ging (59)? Walser schämt sich über seine gute Laune, wenn er von solchem Großsein schreibt.

Poetenleben

erzählung | literarisches werk | literatur (20. jahrhundert) | literatur (deutsch) | robert walser


Robert Walser Poetenleben ist ein Band Kurzgeschichten von Robert Walser, im Mai 1917 zu Ende geschrieben und im November desselben Jahres bei Huber & Co. in Frauenfeld/Schweiz erschienen.
In diesem Psychogramm einer Gesellschaft, die den Dichter als bloßes Anhängsel hinnimmt, berichtet der Autor ironisch- parodistisch aus dem Poetenalltag. Eine Zahl in runden Klammern verweist auf die Seite in der Quelle oder in der Literaturstelle. Titel erwähnter Kurzgeschichten sind unterstrichen.

Wanderung

Um den wunderbaren, schreckhaften Zauber von Natureinöden (9) geht es in der Wanderung. Unter dem Wahlspruch harmlose Freuden sind wahre Freuden (9) könnten etliche der 25 Geschichten dieses Bandes stehen. Freilich haben es die vagabundierenden Vaganten (8) nicht leicht auf ihren Wanderungen. Der Landjäger (11), erklärter Gegner des Wanderburschen, stellt sich in den Weg und fordert mit finsterer Stimme das gültige Legitimationspapier. Aber ein froher Wanderer nimmt solche Behinderung in Kauf. Wird er doch dafür von der Natur entschädigt. Diese ist auf so geheimnisvolle unerschöpfliche Weise groß, dass der wandernde Poet auch bereits schon unter ihr leidet. Das ist nun einmal so, denn dem Glück auf der Welt ist gewöhnlich der Schmerz beigemischt (15).
Auch mitten in der Stadt ist der Poet heimisch. Im Park spricht er dreist Die Indianerin (51) an, um mit ihr zu spazieren. Er bekommt keinen Korb, taucht bald mit ihr im Schwarz der Nächtlichkeit unter und darf sie rudern. Der Wanderbursche (53) gönnt sich keine Rast. In einem anmutigen Jägerschlößchen wartet bereits eine einzelne, edle, vornehme reiche Dame extra auf ihn. Die Welt erscheint dem Paar fortan als Traum. Als die Frau wissen möchte, ob der Poet ihr Sohn sein will, nimmt der Befragte Reißaus - spaziert immer weiter wie ein Lebebaron, um einigermaßen die Welt zu genießen (59), in diese hinein.

Thassilo von Scheffer

autor | deutscher | geboren 1873 | gestorben 1951 | literatur (deutsch) | mann


Thassilo von Scheffer (1. Juli 1873 Preußisch Stargard – 27. November 1951 Berlin) war ein deutscher Dichter, der insbesondere durch seine Übersetzungen antiker griechischer Dichtung bekannt geworden ist. Vermittler der Werke Homers.

Werke (Auswahl)

  • Homers Ilias
  • Homers Odyssee
  • Die Dionysiaka des Nonnos
  • Die homerischen Götterhymnen
  • Die Argonauten
  • Aristophanes, nach Seeger
  • Seneca, nach älteren Übersetzungen
  • Griechische Heldensagen
  • Die römischen Götter- und Heldensagen
  • Homer und sein Zeitalter
  • Die Philosophie Homers
  • Die Kultur der Griechen
  • Moderner Cicerone
  • Neapel
  • Die Eleusinen
  • Die Kyprien
  • Hesiod
  • Die Legenden der Sterne
  • Die antiken Mysterien
  • Die griechische Plastik des V. Jahrhunderts v. Chr.
  • Vergils Aeneïs
  • Ovids Metamorphosen

Theater der Deutschen

drama | literarisches werk | literatur (18. jahrhundert) | literatur (deutsch)


Theater der Deutschen war eine Buchreihe, in der zeitgenössische deutschsprachige Theaterstücke veröffentlicht wurden. Sie erschien zwischen 1766 und 1784 in insgesamt 20 Bänden.

Erscheinungsweise

Die ersten 6 Bände erschienen bei Johann Heinrich Rüdiger in Berlin und Leipzig. Ab Band 7 (1768) erschien die Reihe dann bei Johann Jacob Kanter in Königsberg und Leipzig. Seitdem wurde etwa ein Band pro Jahr herausgegeben. 1776 wurde das Erscheinen eingestellt, 1783/1784 wurden noch zwei Bände nachgereicht. Der letzte Band enthielt als letztes Stück Schillers „ Räuber“.

Jakob von Gunten

literarisches werk | literatur (20. jahrhundert) | literatur (deutsch) | robert walser | roman, epik


Robert Walser um 1915 Jakob von Gunten ist ein Roman von Robert Walser, geschrieben 1908 in Berlin und dort im Frühjahr 1909 bei Bruno Cassirer erschienen.
Eine Zahl in runden Klammern verweist auf die Seite in der Quelle oder in der Literaturstelle.
Unversehens kommt der ganz liederliche (121) Zögling Jakob in den Genuss der Liebe des Vorstehers der Knabenschule Benjamenta und wählt schließlich den Weg aus der Kultur (163) in die Wüste (164).

Genre

Der Text besteht als undatierten Tagebucheintragungen des Ich-Erzählers Jakob von Gunten. Wilpert kategorisiert das Werk als Roman und Mächler als Tagebuchroman. Martin Walser (auf der Umschlag-Rückseite der Quelle) nennt den Jakob von Gunten Entwicklungsroman einer verhinderten Entwicklung und einen Erziehungsroman. Zwar fällt im Text das Wort Entsagung (100), doch Jakob entsagt auf ernüchternde Weise konträr zu Wilhelm Meister: Ich entwickle mich nicht (144).
Klein sein und bleiben (145) ist Jakobs Maxime. Er ist gern unterdrückt (104). Denn Jakob kann nur in den untern Regionen atmen (145). Immerhin ist der Protagonist adelig von Geburt und der Sohn eines Großrates (161) dazu.

zur Form

Der Ich-Erzähler, ein Trotzkopf (125), der seine vielen Fehler (125) wohl kennt, beschränkt sich in seinen Tagebuchaufzeichnungen keineswegs auf das Berichten aus der Knabenschule, dem Institut Benjamenta (7). Niederschriften seiner Phantasien und Träume wechseln mit sachlich Erzähltem ab. Stimmt denn das? Diese Frage kann sich der Leser selten beantworten. Zwar beteuert Jakob Ich lüge nicht gern (135), doch der Leser ertappt sich des Öfteren bei jener o.g. Frage. Allerdings wird meistens von vornherein klar gestellt: Angenommen, ich wäre... (135) oder Mir träumte,... (161). Die allgemeine Verunsicherung des Lesers erscheint als die Absicht des Erzählers. Jakob karikiert z.B. die Lehrer in der Knabenschule; nennt die Herren Wächli, Blösch, Strecker, Doktor Merz, von Bergen, Wyß und Bur (58). Doch die meisten Lehrfächer der Herrschaften fallen aus dem Rahmen des Instituts. In dem Fall gibt Jakob erst zum Schluss wiederum eine zu Papier gebrachte Träumerei zu (59). Der Leser wird vorsichtig. Die Verunsicherung des Lesers durch den fabulierenden Bruder Lustig (154) wird so weit getrieben, dass ersterer schließlich die ganze Geschichte für unglaubwürdig halten muss. Doch das Tagebuch ist keine simple Lügenmär. Sagt doch Jakob einmal von sich, der Gedanke interessiere ihn immer mehr als die Sache selber (144).

Figuren

Jakob unterteilt in Herrschaft und Elevenschaft (127).
Herrschaft
Herr Benjamenta, Vorsteher des Instituts Benjamenta (auch: Knabenschule)
Fräulein Lisa Benjamenta, Lehrerin, seine Schwester
Elevenschaft
Jakob von Gunten
Kraus
Schacht, Schilinski, Fuchs, der lange Peter, Heinrich, Tremala und Hans
Außerhalb der Knabenschule in der gewaltigen Stadt (53)
Johann von Gunten, älterer Bruder Jakobs

Handlung

Herr Vorsteher
Jakob tritt frisch, dumm, unartig, frech und blühend (156) in das Institut des Herrn Vorstehers ein. Die Schüler, in ihrem Wesen von einer schmiegsamen Würde (93), werden als Diener ausgebildet (31). Stellung erhalten (60) ist ihr Ziel. Dafür lassen sie sich bevormunden, drillen und zwiebeln (89). Hoffen ist strengstens untersagt (92). Ein Grundsatz des Instituts lautet: Wenig aber gründlich (63). Der Unterricht beginnt um acht. Der Umgang mit Menschen wird theoretisch und praktisch durchgenommen. Bald testet der neue Eleve den Herrn Vorsteher. Jakob revoltiert. Die Antwort sind Schläge. Der Gezüchtige steckt die Strafe klaglos weg (20). Ist Jakob in einen Streit verwickelt, erhält er vom Herrn Vorsteher - ohne Ermittlung des Schuldigen - einen Schlag an den Kopf (36). Minderwertigkeit fühlt Jakob nicht. Im Gegenteil - er besitzt genug Selbstvertrauen (43) und hält sich für den Gescheitesten (24) unter den Schulkameraden. Jakob schätzt sich als eitel und hochmütig ein. Er fühlt sich leicht gekränkt (31). Jakob vermutet, er werde im Institut verdummt. Er weiß auf alle Fälle, er wird klein gemacht.
Der Vorsteher gesteht Jakob, er habe eine nicht mehr zu behherrschende Vorliebe für ihn (94). An Jakob sei etwas Bedeutendes. Der Vorsteher hat keine Erklärung dafür (106). Jakob ist auch überrascht, weiß aber mit Vorgesetzten umzugehen. Er schweigt wohlweislich dazu - auch als ihm der Herr Vorsteher seine Liebe gesteht (95). Als Jakob der Freund und kleine Vertraute des Herrn Vorstehers werden soll, verhält sich der Eleve zögerlich (107). Jakob hat Pech, er bekommt vom Herrn Vorsteher keine Stelle vermittelt, denn der Vorgesetzte, bereits über Vierzig (156), liebt zum erstenmal einen Menschen (129). Dann aber bekommt Jakob hasenartige Angst. Der Herr Vorsteher will ihn erwürgen (142). Später aber möchte der Vorsteher Jakob gar küssen. Der prachtvolle Bursche lehnt das entrüstet ab (148).
Kraus
Jakob will Menschen stacheln, auf daß sie sich ihm offenbaren (114). Dafür ist Kraus richtig. Dieser Freund Jakobs, der Redlichste und Tüchtigste (25) unter den Schülern, ist eine rechtschaffene, zarte, feste Menschenseele (48). Kraus, der sich den Unterrichtsstoff mit erheblichen Zeitaufwand einpauken muss, verachtet den Müßiggang (25) seines Freundes. Jakob hat eine leichte Auffassungsgabe und flaniert in der Freizeit, wenn es der Herr Vorsteher erlaubt, allein durch die große Stadt. Mit zehn Mark betritt Jakob ein Restaurant mit Damenbedienung und lässt sich von einem jungen Mädchen verwöhnen. Schließlich spielen beide Sag' mir guten Tag. Aus dem Kontext kann geschlossen werden, dass es sich dabei um Geschlechtsverkehr handelt (27). Jedenfalls ist Jakob pleite, als er das Lokal verlässt. In der Knabenschule wird Jakob dann von Kraus mit verächtlichem Lächeln empfangen (39).
Jakob zankt für sein Leben gern und hat für Kraus deshalb so viel übrig, weil ihm dieser bei jeder Gelegenheit zürnt (29), wenn er ihn reizt, ärgert, äfft (87). Kraus hat so etwas Joseph-in-Ägypten-haftes (78), ist ein Nichts, ein Diener (81).
Johann von Gunten
Jakob trifft seinen einzigen leiblichen Bruder mehrmals. Johann verkehrt mit reichen Leuten (96) und lebt mit einer Frau als so etwas wie ein namhaft bekannter Künstler (53) in der Stadt. Kein Wunder - der Vater hat Wagen und Pferde, die Mama ihre eigene Theaterloge (68). Der betont gehoben bürgerliche Lebensstil des Bruders und sein Gerede von Jakobs Karriere beeindrucken Jakob überhaupt nicht. Er sieht und hört sich das alles ruhig an und geht darauf in sein Institut Benjamenta zurück, um sich auf seine künftige Selbsterziehung vorzubereiten (69).
Fräulein Lehrerin
Fräulein Lisa Benjamenta geht lächelnd über Jakobs Ungezogenheiten hinweg. Abends erscheint sie im weißen, wallenden Gewand bei den Schülern zum Gute-Nacht-Gruß. Wenn das verehrte Mädchen (99) in den inneren Gemächern (98) verschwindet, stellt sich Jakob eine palastartige Wunderwelt aus prunkvollen Räumen hinter der Tür vor. Einer seiner Träume führt ihn auch, zusammen mit der verehrten Lehrerin, dort hin. Die Wirklichkeit ernüchtert zuletzt. Hinter der Tür befinden sich zwei schäbige Zimmer (130) - also Armut und Entbehrung (100). Alle Erwartungen werden zwar enttäuscht und doch traumhaft seltsam übertroffen.
Das Fräulein spielt die Zuschauer, wenn die Eleven kleine Theaterstücke aufführen. In den Stücken wird das bescheidene Dienen versinnbildlicht (113).
Das Fräulein leidet, aber Jakob weiß nicht woran. Schließlich kündigt die Lehrerin Jakob unter vier Augen ihren bevorstehenden Tod an und fordert Stillschweigen (133). Die bemerkenswerte Todesursache wird sein: Das Fräulein ist im Leben von keinem Manne geliebt worden (145). Jakob nimmt die Nachricht beherrscht auf. Er weiß, dass er gemein ist, aber er denkt an seinen Geldmangel. Als das Fräulein gestorben ist, bleiben nur noch Jakob und der Herr Vorsteher bei der Leiche zurück. Der Vorgesetzte, dieser Schuft, hat allen Eleven am Sterbetag seiner Schwester Stellung verschafft (155). Jakob möchte auch unterkommen. Den Herrn Vorsteher überkommt unerhörte Lebens- und Lachlust (156). Er will mit Jakob in die Welt hinein (156). So geschieht es.
Träume
Jakob träumt, er schlägt seine Mama, die Liebe und Ferne (34) ins Gesicht und reißt sie an den Haaren. Anfang des 15. Jahrhunderts kämpft Jakob als Kriegsoberst in den mailändischen Feldzügen und wird natürlich dafür in den Grafenstand erhoben (110). Als Soldat zieht Jakob, von Napoleon zu Körper-Klumpen gemacht, immer gen Osten durch den Schnee nach Moskau zu (138). Nachdem der Herr Vorsteher mit Jakob allein im Institut zurückgeblieben ist, verlassen beide die Knabenschule, wenden sich ab von der Kultur und reiten auf Kamelen in die Wüste (163).

Der Gehülfe

literarisches werk | literatur (20. jahrhundert) | literatur (deutsch) | robert walser | roman, epik


Robert Walser um 1915 Der Gehülfe ist ein Roman von Robert Walser, geschrieben 1907 in Berlin und dort im Mai 1908 bei Bruno Cassirer erschienen.
Der 24-jährige Joseph Marti, Gehülfe des Ingenieurs Carl Tobler, erlebt während eines halben Jahres den Ruin des erfolglosen Erfinders und geht seiner Wege. Eine Zahl in runden Klammern verweist auf die Seite in der Quelle oder in der Literaturstelle.

Wahrheit und Dichtung

Walser lässt den Gehülfen in einem Dorf Bärenswil, eine gute Dreiviertelstunde Eisenbahnfahrt von der großen Kantonshauptstadt entfernt (69), auftreten. Jener Ort der Handlung, die Villa zum Abendstern, steht zu Wädenswil am Zürichsee. Das geht aus einem Brief Robert Walsers vom 14. Dezember 1920 an Curt Wüest hervor. Ein Faksimile des Briefs befindet sich in Mächler zwischen den Seiten 112 und 113. Darauf ist der Turm zu sehen, in dem der Gehülfe untergebracht war. Das Anwesen wurde vom Maschinentechniker Carl Dubler, seiner Gattin Frieda und den gemeinsamen vier Kindern bewohnt. Die Vornamen der Kinder wurden genauso in den Romantext übernommen wie die Erfindungen des Technikers - die Reklame-Uhr, der Verkaufsautomat für Gewehrmunition und der Krankenstuhl. Walser hat reichlich vier Monate in dem Haus als Angestellter Dublers gewohnt und es zum Neujahr 1904 vorm Konkurs des erfolglosen Unternehmers verlassen (Nachwort, 299f.).
Walsers Mutter Elisa trug als Mädchen denselben Familiennamen wie der Protagonist: Marti (Mächler, 16).

Joseph Marti

Villa zum Abendstern
Erzählt wird die Geschichte vom langsamen Verfall des Hauses (253) Tobler. Joseph Marti, der Gehülfe, betritt das Haus seines Arbeitgebers zu Beginn des Sommers und verlässt es zum Neujahr. In den sechs Monaten bewohnt er ein Turmzimmer der Villa. Joseph speist am Tisch der Familie. Anders geht es nicht. Einen Teil seines Gehalts bekommt er erst am Jahresende ausgezahlt. Zuvor muss er sich mit Almosen, vom Chef generös zugesteckt, für seine Sonntagsausflüge in die Stadt, aus der er stellenlos (15) gekommen ist, begnügen. Obwohl sich Joseph eigentlich mit Schuldenabzahlen eilen (63) müsste, zeigt er Verständnis. Trotz sich immer mehr zuspitzender finanzieller Lage (65) lebt die Familie nicht schlecht. Niemand muss Hunger leiden. Im Gegenteil - der Hausherr Carl (auch: Karl) Tobler lädt Bürger aus dem Dorf zu sommerlichen Gartenfesten auf seinem Seegrundstück inmitten der reizvollen Berglandschaft ein. Der 1. August wird auf Toblers üppig illuminierten Anwesen mit einem Feuerwerk ausgelassen gefeiert.
Nach Möglichkeit genießt Joseph den Sommer; schwimmt, rudert des Nachts Frau Tobler und die vier Kinder über den See. Musik erklingt, umschlingt den dunklen, duftenden Leib der Seesommernachtstille (53).
Die Erfindungen
Josephs Arbeitsplatz, das Bureau des technischen Erfinders Tobler, liegt im Keller der Villa (9). Tobler hat erfunden: die Reklame-Uhr, die Tiefbohrmaschine, den nach Münzeinwurf ein Paket Patronen ausgebenden Schützenautomaten, den patentierten Krankenstuhl (62f.) und einen kleinen Dampfapparat, diesen Dampfbehälter (150). Zudem spricht im Bureau ein Kraftanlagenschöpfer behufs der Selbstkrafterzeugungsmaschine in Städten (277) vor. Letztendlich will niemand Toblers Erfindungen. Als Frau Tobler erkrankt und der Herr Ingenieur seinen Krankenstuhl an der eigenen Frau ausprobiert, muss er Kritik einstecken. Das bildhübsche, kleine Modell (214) ist unbequem. Flugs konstruiert der Erfinder um.
Der Erfinder
Tobler will einen Kopf als Angestellten (9). Das Nachdenken über hohe Dinge (188) ist Josephs Sache nicht. Der neue Gehülfe brilliert in der Erfüllung von Nebenaufgaben (220). Das ist alles keine Kopfarbeit, sondern hat ausnahmslos mechanischen Charakter. Der sommerliche Garten um die Villa herum ist mit dem Schlauch zu beregnen. Wege, auch für Frau Tobler, sind zu erledigen. Der Haushälterin Pauline muss ab und zu zur Hand gegangen werden. Joseph spielt den Hausmeister.
Tobler fordert von Joseph Pünktlichkeit. Wenn der Gehülfe sich im Bureau ein wenig verspätet, gibt es ein Donnerwetter. Joseph schweigt bei solcher Gelegenheit wohlüberdachtermaßen (59). Tobler schimpft auf Bärenswil, das Drecknest und meint in Wirklichkeit dessen Bewohner, die die Erfolglosigkeit des Erfinders riechen und sich geordnet zurückziehen (71).
Während der Arbeit darf Joseph von Toblers Zigarrenstumpen rauchen. Der Chef war vor drei Jahren einfacher Hilfsingenieur in einer großen Maschinenfabrik gewesen (71), hatte geerbt, sein Geld aber in den Kauf der Villa und die Reklame-Uhr gesteckt. Deshalb muss schnellstens Geld her. Als Geldgeber soll ein Kapitalist, möglichst ein Fabrikherr, gewonnen werden, damit die Massenanfertigung der patentierten Erfindungen gleich beginnen kann (45). Daraus wird im ganzen Roman nichts. Tobler muss vielmehr Zahlungsverweigerungsgründe erfinden. Selbst im Herbst zeigt sich keinerlei Umschwung (162), obwohl Tobler auf andauernden Geschäftsreisen nicht müde wird, jenen Kapitalisten zu finden. Als ein Kapitalist in der Villa vorspricht, ist Tobler gerade verreist. Joseph muss einspringen und vertreibt den potentiellen Geldgeber durch sein unverantwortliches kopfloses Benehmen (80). Tobler tobt nach seiner Rückkehr von der Reise, kann aber verzeihen. Er schenkt dem Gehülfen einige von seinen abgetragenen Kleidern. Der beleidigte Joseph begehrt zwar wortreich auf, nimmt die Kleidergeschenke schließlich doch. Wenn Tobler seine Frau misshandelt, kann Joseph nicht anders - er schreitet ein; ermahnt den Herrn Ingenieur (87). Der Erfinder, nie verlegen, hält dem Angestellten vor, ein großes Maul haben, das könne jeder. Leisten solle er endlich etwas (147). Angesichts der sich häufenden unbezahlten Wechsel gibt sich Tobler kämpferisch: Eine Idee stirbt oder sie siegt (175). Dabei pumpt er auf seinen Reisen bereits Bekannte und Verwandte an (176). Schließlich muss Tobler auf Schuldforderungen seine Illiquidität eingestehen (181). Aber ein mütterliches Erbteil hat er noch (182). Doch der Betrag, den die Mutter herausrückt, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, kann lediglich die wildesten Gläubiger und Schuldenforderer (219) ein klein wenig besänftigen. Um in den Genuss des Geldes der Mutter zu gelangen, muss Tobler gar die Ehefrau vorschicken. Nicht einmal dem Verwalter des hauptstädtischen Stellenvermittlungsbureaus (183) wird das geringe Vermittlungsentgelt ausbezahlt. Das Elektrizitätswerk schalten den Strom für die Villa ab (223).
Frau Tobler
Frau Tobler kommt aus echt bourgeoisen Kreisen her (51) und hat nicht die geringste Angst vor ihrem Gatten (82). Da letzterer oft auf Reisen ist, vertreibt sie sich notgedrungen mit dem Gehülfen die Zeit. Beide jassen, unterhalten sich oder Joseph schaut Frau Tobler einfach zu, wie diese liest. Einmal erblickt er die Frau durch ihre offene Schlafzimmertür im Negligé. Es entwickelt sich keineswegs ein Verhältnis zwischen den beiden, doch sie kommen einander näher. Man achtet sich. Frau Tobler vertraut sich dem Gehülfen an. Sie weiß, wer sie ist und lässt den Lebensmut nicht sinken. Ursache des beruflichen Misserfolgs ihres Gatten sind nach ihrer Ansicht die verschwenderischen Wohltaten (248), in deren Genuss gerade jene Mitmenschen kamen, die ihn nun hart bedrängen. Frau Tobler steht ihrem Mann bei, kann aber letztendlich den Ruin nur ein wenig hinausschieben. Manchmal fragt sie Joseph, ob das Desaster doch noch abwendbar sei. Als Joseph, der die Frau immer trösten möchte, das für durchaus möglich hält, heißt sie ihn einen Lügner (166). Wie wahr! Spürt doch Joseph die zunehmende Feindseligkeit beim täglichen Abwehren der Gläubiger (176) am eigenen Leibe. Auf der Bärenswiler Bank schlägt das Erstaunen in herablassendes Mitleid um (171).
Wirsich auf Besuch
Wirsich, der Vorgänger Josephs, war von Tobler unflätiger Auftritte wegen, verursacht durch Volltrunkenheit, aus dem Hause gejagt worden. Nun bittet der Trinker, der seine alte Mutter als Verstärkung in die Villa mitgeschleppt hat, um Wiedereinstellung. Der Herr Ingenieur sieht sich außerstande. Joseph macht seine Sache auch ganz ordentlich (43). Im Spätherbst dann, der Sommersee ist ein Nebelsee geworden, kommt Wirsich aus dem Regen und der Kälte. Joseph nimmt den Obdachlosen - mit Zustimmung der Frau Tobler (der Hausherr ist auf Reisen) - in seinem Turmzimmer auf, teilt das Bett mit ihm und drängt dem Trunkenbold ein Goldstück auf, das er tags zuvor von Tobler bekommen hat. Dem Tobler, diesem Großhans, wünscht Wirsich, dass er aus seinem prahlerischen Haus und Garten hinausfliegt (253).
Dora, Silvi, Edi, Walter und Pauline
Den Abendstern bewohnen noch die vier Kinder der Toblers - die Mädchen Dora und Silvi sowie die Knaben Edi und Walter. Frau Tobler kann es sich selber nicht erklären, sie hasst (235) Silvi, ihr eigenes Kind. Die Magd Pauline hat von der Hausherrin die Erlaubnis, das Kleinkind nachts nach dem Bettnässen zu prügeln. Pauline gebraucht ihre Macht. Joseph beobachtet das Gezeter und macht schließlich Frau Tobler ernsthaft Vorwürfe. In einem Abwasch liest der Gehülfe gleich noch dem gerade heimkehrenden Tobler die Leviten: Die Frau misshandelt Silvi und der Vater sieht darüber hinweg. Tobler macht sich mit dem Gehülfen gemein. Die Frau sei eine Gans und Joseph verrückt (237).
Joseph geht weiter
Als Wirsich seine nächste Stelle in Bärenswil wegen Trunkenheit verloren hat, bereitet auch Joseph seinen Abgang aus der Villa zum Abendstern vor. Beim hauptstädtischen Stellenvermittlungsbureau bewirbt er sich um eine passende Stelle (259). Nach einer weiteren Ungeschicklichkeit Josephs wird der Herr und Meister tätlich (265). Weinend begründet der Gehülfe der Frau Tobler seinen beabsichtigten Weggang. Die Frau bleibt kalt und empfiehlt dem Angestellten, sich noch von ihrem Mann zu verabschieden (266). Der Gehülfe wird vom Herrn Ingenieur aus dem Haus geworfen (292). Joseph und Wirsich verlassen Bärenswil und ziehen weiter.

Selbstzeugnis

  • Robert Walser sagte zu Carl Seelig: Der 'Gehülfe' ist ein ganz und gar realistischer Roman. Ich brauchte fast nichts zu erfinden. Das Leben hat das für mich besorgt (Nachwort, 300).

Rezeption

  • Hesse schreibt 1936, zwar sei der Gehülfe voll von Stimmungen vom Anfang des 20. Jahrhunderts, doch bezaubere die Erzählung durch die zeitlose Anmut ihres Vortrags, durch die zart und absichtslos spielende Magie (Michels, 461).
  • Nach Zollinger sei Walsers unbeschreiblicher Zauber zurückzuführen auf seine pedantische Unbestechlichkeit (Nachwort, 305).
  • Anne Gabrisch schreibt 1983, Herr und Diener seien gleichermaßen närrisch - ein Paar von fürchterlicher Komik. Und von weither an Don Quijote und Sancho Pansa erinnernd (Nachwort, 307).
  • Mächler (81f.) erzählt aus der Entstehungsgeschichte des Gehülfen. Der Roman sei im Rahmen eines Wettbewerbs des Scherl-Verlages in sechs Wochen niedergeschrieben worden. Walser habe achttausend Mark Honorar verlangt, das Manuskript jedoch wegen der hohen Forderung postwendend zurückerhalten. Als sich Walser darauf mit dem Verlagsleiter stritt, soll dem Autor entfahren sein: Sie Kamel verstehen überhaupt nichts von Literatur.
  • Sprengel resümiert, die Bärenswiler erweisen sich als Nachfolger der Leute von Seldwyla.

Geschwister Tanner

literarisches werk | literatur (20. jahrhundert) | literatur (deutsch) | robert walser | roman, epik


Robert Walser um 1915 Geschwister Tanner ist ein Roman von Robert Walser, Anfang 1906 in nur sechs Wochen in Berlin geschrieben und dort Anfang 1907 bei Bruno Cassirer erschienen.
Der 20-jährige verhinderte Bankangestellte Simon Tanner ist auf der Suche nach dem passenden Platz im Leben. Seine vier Geschwister, die Schullehrerin Hedwig Tanner, der Gelehrte Dr. Klaus Tanner, der Maler Kaspar Tanner und der Irrenhäusler Emil Tanner, können ihm dabei wenig helfen. Eine Zahl in runden Klammern verweist auf die Seite in der Quelle oder in der Literaturstelle.

Simon Tanner

Liebe statt Sehnsucht
Die Vorsteherin des gut geheizten Kurhauses für das Volk, in das sich Simon auf der Flucht vor eisiger Winterskälte am Romanende rettet, verwundert sich über den jungen, knabenhaften Mann (7), ja sie macht sich sogar unwillkürlich Kummer (318). Fühlt sich die Vorsteherin zwar als die Überlegene und hält Simon für unbedeutend, so vermutet sie sofort, der Ankömmling müsse bedeutende Menschen zu Geschwistern haben. So ist es beinahe. Simon erzählt der Dame, Klaus, der Älteste, nähme eine bedeutende Stellung in der Gelehrtenwelt ein. Bruder Kaspar hingegen lebe sehr zurückgezogen als Maler in Paris, und die einzige Schwester Hedwig unterrichte auf dem Dorfe Kinder. Hedwig wäre es auch gewesen, die die Mutter bis zu deren Tode gepflegt hätte. Zu dem Zeitpunkt wäre Simon vierzehn Jahre alt gewesen. Der Vater sei mittlerweile achtzig Jahre alt. Der dritte Bruder allerdings säße im Irrenhaus. Nach dem Tode seiner Mutter sei Simon in eine Bank als Lehrling gegeben worden. Im dritten Lehrjahr sei er vom Direktor zum Teufel gejagt worden (328). Als er noch eine bestimmte Sehnsucht trug, erzählt Simon weiter über sich, wären ihm die Menschen gleichgültig gewesen. Nun aber kenne er keine Sehnsucht mehr und jetzt liebe er die Menschen (330).
Bruder Klaus
Simon wechselt die Bankanstalten wie die Hemden. Allerdings wird er meist nicht hinausgeworfen, sondern geht, weil ihm irgendetwas nicht paßt. Er bleibt nicht in seinem Beruf, sondern wird Buchhandlungsgehilfe, verlässt aber bald den nichtsnutzigen Bücherladen (16), meldet sich beim Stellenvermittlungsbureau (18), wird Krankenwärter und arbeitet bei einem Advokaten als Aushilfe. Simon findet doch noch Anstellung bei einem Bankhaus von weltbedeutendem Umfang (34), legt sich aber mit dem Direktor an und wird prompt entlassen. Simon verschmäht das angebotene Zeugnis. Er will sich von nun an nur noch auf sich selbst berufen. Er will keine Zukunft, er will eine Gegenwart haben (44). Simon versucht sich erfolglos als Journalist (100) und beteiligt sich an der Inventur in einer großen Maschinenfabrik (192).
Der immerwährende Berufswechsel missfällt dem ältesten Bruder Klaus, der sich für seinen jüngsten Bruder Simon verantwortlich fühlt, sehr. Zwar nennt Klaus den Bruder Simon einen Müssiggänger (154), doch ist der Gelehrte so rücksichtsvoll und feinfühlig, dass es über den ganzen Roman hinweg nie zu einer heftigen Kontroverse zwischen den beiden Brüdern kommt. Simon, nachlässig, verspricht Klaus, daß es bald aufhört (155) mit der Faulenzerei. Klaus nimmt das leere Versprechen gutgläubig hin und leistet somit dem Schlendrian Vorschub.
Klara Agappaia
Mit ein klein wenig Geld in der Tasche sucht Simon die Pension der schönen Frau Klara Agappaia - fast außerhalb der Stadt am Waldesrande - auf, um für sich und seinen Bruder Kaspar ein Zimmer zu mieten. Das wird für die beiden armen Schlucker unerschwinglich. Klara, von dem jungen Mann beeindruckt, lässt die zwei Brüder unentgeltlich in ein prachtvolles Chambre (32) [Zimmer] einziehen und verliebt sich in Kaspar. Ihre Liebe dehnt Klara gleich noch auf Simon aus. Sie küsst den Jungen mit der Begründung, er sei ja der Bruder des Geliebten (58). Simon soll immer Klaras Freund bleiben. Er sei ihr süßer Knabe, mit einem Kopf voll so unergründlicher Gedanken (87). Klaras Gatte, der schießwütige Forschungsreisende Agappaia, hat gerade sein Vermögen verspielt (105) und sucht das Weite. Klara muss die Pension aufgeben. Die Brüder verlieren ihr komfortables Zimmer.
Bruder Kaspar
Kaspar, der Maler, kann sich nicht an eine Frau binden, denn er muss der Kunst dienen, also hart zu denen sein, von denen er am meisten geliebt wird (91). Mit dem künstlerischen Schaffen - das ist so: Alles Liebe muss abgetötet werden. Somit wir Liebe fürs Schaffen freigesetzt (224). Eine schwerere Aufgabe als Kunstproduktion kann sich nämlich kein Mensch vorstellen (225). Kaspar malt für die Lust späterer Geschlechter. Wohl dürfe man einem Künstler zusehen, sollte ihn aber ja nicht beeinflussen wollen. Simon, der Taugenichts, kann nicht begreifen, was für ein Arbeiter sein Bruder, der Maler, ist. Kunst wird definiert als Erklärungsversuch des Unerklärlichen (112). Kaspar trennt sich von Klara, obwohl sie nicht von ihm lassen will und nimmt außerhalb der Stadt Gelegenheitsaufträge an. Simon freut sich, weil Klara Kaspar unglücklich liebt (114). Doch Simon will ein besserer Mensch werden (128).
Schwester Hedwig
Für drei Monate kriecht Simon bei seiner Schwester unter. Zwar begrüßt Hedwig den Brüder stürmisch, doch sie erkennt alsdann ernüchtert: Sonst hat sich Simon nicht um sie gekümmert, aber für das Bereitstellen von Kost und Logis ist sie gut genug (136). Simon trägt abgerissene Kleidung mit kleidsamer Eleganz. Die sanfte Hedwig fühlt sich beglückt. Der Bruder erledigt die Hausarbeit und macht sich darüber seine Gedanken: Dankbarkeit will er der Schwester nicht zeigen. Damit beleidigte er sie nur. Wann wird die seßhafte Schwester den Tagedieb fortjagen, sinniert er weiter. Dann geht auch Hedwig das Geld aus. Auf dem Lande ist das kein Problem. Die Eltern der Schulkinder versorgen den Haushalt der Lehrerin mit Naturalien. Klaus kommt zu Besuch und nimmt sich Simon vor. Hedwig und Simon sind froh, als der gestrenge Inspektor wieder fort ist. Beide vertändeln viel Zeit miteinander. Hedwig verachtet Simon ein ganz klein wenig (175), denn er habe etwas Unbekümmert-Läppisches an sich. Hedwig jagt den Bruder schließlich fort und will sich nicht nach ihm sehnen (180).
Die Zauberin
Simon geht zurück in die Stadt, wird der Diener einer Frau und pflegt deren kranken kleinen Sohn (208). Zwar fordert die strenge Frau viel von Simon, doch sie lässt ihn auch an ihrem Schreibtisch einen Brief schreiben und bleibt geduldig daneben sitzen. Simon möchte gern eine Ohrfeige von der Herrin. Er provoziert sie, doch es bleibt offen, ob er die gewünschte Strafe bekommt. Jedenfalls ist er bald wieder stellenlos. Er nimmt ein Zimmer bei der Vermieterin Frau Weiß (250) und bezahlt im Voraus. Sogleich legt er sich ins gemachte Bett und träumt von Klara. Die ist Zauberin geworden und führt ihm seine Geschwister einzeln vor. Klaus schreibt fleißig an seinem Lebenswerk (222). Hedwig liegt tot da. Mädchen sein und leiden, das war zu viel (223). Kaspar, der Schaffende, darf beim Malen nicht gestört werden.
Als der Träumer, ein Freund des Unglücks (240), erwacht, liest er in dem Roman von Stendhal weiter.
Bruder Emil
Aus der Lebensgeschichte Emils wird mitgeteilt: Er besuchte zunächst ein Lehrerseminar, führte in München ein ziemlich flottes Leben (234), unterrichtete reicher Leute Kinder, zerstritt sich mit seinem Direktor, ging nach Italien, dann nach England, versuchte sich als Politiker, Dichter, Dramatiker, Komponist und auch als Zeichner. Zuletzt übte er wieder den Lehrerberuf aus und wurde - geisteskrank geworden - ins Irrenhaus gebracht (237).
Gefangene
Außer seinen Geschwistern und Klara begegnet Simon immer neuen Menschen. Denen gesteht er seine Konfession. Klug werden durch das Reisen - davon hält Simon nichts, denn er sei klug und wolle einst im Lande mit Anstand sterben (256). Lächeln beim Tode wolle er dann versuchen und innerliche Frömmigkeit sei für ihn gleichbedeutend mit menschlichem Anstand (264). Simon will Mensch bleiben. Das heißt für ihn, er könne mit ganz wenigem satt werden (257). Dazu passt seine letzte Stelle. Als Bedürftiger wird er Schreiber. Diese Arbeit bekommen nur solche, denen die Kleider womöglich in Fetzen herunterhängen (277).
Stellvertretend für jene Schar Unbekannter, denen Simon noch begegnet, sei die bereits ganz oben erwähnte Vorsteherin aufgeführt. Die Vorsteherin hat ihren ersten Kurzauftritt als allerletzte Figur am Romanschluss. Zu Weihnachten wandert Simon, der unverwüstliche Mensch, der allerhand Missgeschick zu ertragen versteht (239), an den Stadtrand hinauf zu Klaras Waldhaus, das inzwischen Kurhaus für das Volk (309) geworden ist. Die Vorsteherin kann sich an Simon nicht sattsehen. Warum braucht Simon seine Zeche im Kurhaus nicht zu bezahlen? Wegen jener Freundlichkeit der Vorsteherin etwa, als sie fragt, ob wir nicht alle Geschwister auf diesem verlorenen Planeten sind? In jener Frage wird ein Titelwort des Buches - Geschwister - angesprochen. Das ist es nicht nur. Simon, scheinbar etwas verkommen, hat etwas Fesselndes (315). Die Vorsteherin steht für alle Figuren, denen Simon im Roman begegnete - sie ist seine arme, glückliche Gefangene (332). Kafka hat jene glückliche Gefangenschaft sogar noch auf Simons Geschwister ausgedehnt: Simon ist, glaube ich, ein Mensch in jenen Geschwistern (Nachwort, 353).

Zitate

Man paßt dahin, wohin man sich sehnt (90).
Das Zufällige ist immer das Wertvollste (244).

Selbstzeugnis

Walser im Mai 1914 über das Schreiben der Geschwister Tanner: Der bessere Gedanke und der damit verbundene Schaffensmut tauchte nur langsam aus den Abgründen der Selbstnichtachtung und des leichtsinnigen Unglaubens hervor. Voller Entzücken hing ich an dem fröhlichen Grundgedanken, und indem ich nur fleißig immer weiter schrieb, fand ich den Zusammenhang (Nachwort, 336).

Rezeption

  • Kafka urteilt über den Simon Tanner: Das ist eine sehr schlechte Karriere, aber nur eine schlechte Karriere gibt der Welt das Licht (Nachwort, 354).
  • "Geschwister Tanner" hat eine episodische Struktur: Der ruhelose Held befährt die Welt, sammelt Erlebnisse und Erfahrungen, entwickelt sich dabei aber selbst im Grunde nicht (Nachwort, 346).
  • Hinter der idealisierenden Schilderung verbirgt sich ein faktisch-autobiographischer Kern (Nachwort, 348).
  • Spiegelgasse - die erste Adresse in Zürich: Nicht nur, dass Simon seiner Zimmerwirtin Frau Weiß zu guter Letzt den Mietbetrag schuldig bleiben muss - mehr noch, er pumpt die Frau sogar erfolgreich an (284). Im Roman Der Gehülfe schreibt der Protagonist Joseph Marti auf Seite 15 seiner ehemaligen Wirtin Frau Weiß einen Brief, in dem er seine Schulden anspricht. In seinem Nachwort zu Fritz Kochers Aufsätze schreibt Greven (115): Im Frühjahr 1902 mietete sich Walser in Zürich in der Spiegelgasse Nr. 23 bei der Frau Weiß ein. In derselben Gasse hatte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Lavater gelebt, war am 19. Februar 1837 Büchner gestorben und lebte später während des Ersten Weltkrieges ein paar Häuser weiter - in der Nr.14 - Lenin.
  • Hesse (Michels, 456) schätzt ein, Fritz Kochers Aufsätze, Geschwister Tanner und Der Gehülfe können in einem Zusammenhange gesehen werden.
  • Ein wichtiges Thema des Romans ist die Kritik der modernen Arbeitswelt und damit die Funktionalisierung des Menschen. Simon Tanner weigert sich, sich diesem Prozeß der Entfremdung, den er durchschaut, anheimzugeben - diese Weigerung isoliert ihn. Simon, der Außenseiter und Träumer, klage in seinen Monologen die äußere Welt an (Nachwort, 349).
  • Der archimedische Punkt, auf dem sie [Walsers Figuren] stehen, ist jener der Souveränität (Klaus-Michael Hinz, zitiert in: Nachwort, 351).
  • Mächler (74) lobt den Roman als ungewöhnlich dichterisches Buch, das die Grundbeziehungen zwischen den Mitgliedern der Familie Walser reflektiere.
  • Anne Gabrisch bemängelt 1984 die Sorglosigkeit des Details. Als Beispiel wird die Wiederbegegnung Simons mit Klara Agappaia angeführt. Das kleine Kind, das sie von dem Türken (292) empfangen hat, ist mal männlich, mal weiblich (Nachwort, 348).

zur Form

Romantisches Vorbild des Simon Tanner ist zweifelsohne - wie Sprengel (211) bemerkt - der Taugenichts von Eichendorff.
In Anlehnung an Brentano könnte man "Geschwister Tanner" auch als einen etwas " verwilderten Roman" bezeichnen (Nachwort, 351). Die Rede ist von allerlei unübersehbaren Gestaltungsschwächen. Ellenlange Monologe sind nur oberflächlich mit der Handlung verwoben. Der wortreich predigende Ton fordert den geduldigen Leser. In den letzten beiden Kapiteln (281 - 332) verliert der Prosaton von seiner Poesie. Es entsteht der Eindruck, als wolle der Autor fertig werden.
Der Lektor Christian Morgenstern überzeugte seinen Chef, den Verleger Bruno Cassirer, von den Qualitäten der Geschwister Tanner, sodass Cassirer den Roman annahm. Trotzdem enthält der Brief, den Morgenstern im September 1906 an Walser aus Obermais bei Meran schrieb, ein insgesamt doch fast vernichtendes Urteil (Brief auszugsweise zitiert in: Mächler, 72 - 74). In dem Schreiben sind die meisten der schweren Vorwürfe auffindbar, die ein Lektor gewöhnlich einem Anfänger macht.

Romantik

Das Land blühte mit einem heißen Atem, kam fast um vor Blühen (158)... duftend mit seinen Düften (159).

Fritz Kochers Aufsätze

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Robert Walser um 1915 Fritz Kochers Aufsätze sind Erzählungen von Robert Walser, im Insel Verlag Leipzig 1904 erschienen.
Außer den Aufsätzen des Gymnasiasten Fritz Kocher enthält dieses erste Buch Walsers noch die Betrachtungen Der Commis, Der Wald und die Tagebuchaufzeichnung Ein Maler. Eine Zahl in runden Klammern verweist auf die Seite in der Quelle oder in der Literaturstelle.

Fritz Kochers Aufsätze

Ebenso wie im Rollengedicht übernimmt bei der Rollenprosa (Wilpert anno 2001, 697) der Autor die Rolle einer Figur - hier die des Schülers Fritz.
Die Eltern
Fritz, ein Schurke im Stil (38), nennt die Eltern in seinem Aufsatz Armut (16) wohlhabend. Der Vater habe Wagen und Pferde, sei mild, herzlich, gerecht und heiter, aber gegen arme Leute hart und barsch (18). Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Gegen Kinder armer Leute, die vor der Tür in der Eiseskälte singen, ist Fritz barsch (Weihnacht, 37). Den Vater hält Fritz für einen weisen Mann (Die Schule, 19). Sattler, Schlosser, Schreiner oder Drechsler möchte Fritz nicht werden. Interessanter wäre Buchbinder, oder gar Schiffskapitän. Verlockend wären auch Förster, Dichter, Musiker, Kaufmann, Seiltänzer oder Clown. Fritz fürchtet, der lächerliche Anzug des Clowns könnte den Eltern missfallen. Diese sähen es gewiss gerne, er würde Arzt, Pfarrer, Jurist oder Lehrer werden. Zu alledem hat Fritz überhaupt keine Lust (Der Beruf, 29 - 30).
Das Leben
In seinem grundlegenden Aufsatz Der Mensch (8 -9) postuliert Fritz, jenes höhere Wesen soll über seinem Kollegen, dem Tier, stehen und führt weiter aus, er möchte berühmt werden. Da lauert aber ein Schreckgespenst - die Niedrigkeit. Denn die meisten Unternehmungen gehen nur von der Habgier aus.
Beim Aufsatz Freundschaft (14 - 16) fühlt sich Fritz überfordert. Das Thema ist mehr etwas für den Schriftsteller von Beruf. Trotzdem schreibt er tapfer drauflos. Auf das Lieben und Schätzen kommt es bei der Freundschaft an. Doch leider gibt es Menschen, die nur deshalb als unsere Freunde erscheinen wollen, um uns kränken und schaden zu können. Fritz hat beobachtet, Spaßvögel haben Mühe, sich Freunde zu erwerben.
Mit sarkastischem Blick fixiert Fritz die Armut (16- 18) in seiner Umgebung. Für arme Frauen hat er eine Vorliebe, weil sie so schön bitten können. Armut hat ihr Gutes. Sie macht die Reichen mildtätig. Fritz liebt die armen Knaben in seiner Schulklasse nicht, weil sie ihm seinen Wohlstand neiden und über seine schulischen Mißerfolge schadenfroh sind. Im Übrigen bekümmert sich Fritz nicht darum, was in den Fabriken gemacht wird. Er weiß nicht, weshalb alle armen Leute in der Fabrik arbeiten und vermutet als Beschäftigungsursache eine Bestrafung dafür, daß sie so arm sind (36).
In seinem Abstecher ins Reich der Höflichkeit (20 - 22), in dem es auch schauerliche Abgründe gibt, schauerlicher, als sie im Hochgebirge sind, gelangt Fritz schreibend zu der Erkenntnis, Höflichkeit wäre eigentlich überflüssig, wenn nur sehr wenig Menschen verstreut auf der Erde lebten.
Im Aufsatz Das Vaterland (30 - 32) vergleicht Fritz die Untertanen anderer Länder mit Haustieren. Er hingegen ist glühender Republikaner. Dummerweise liegt Fritz, Schüler der zweiten A-Klasse, noch wie an der Kette.

Der Lehrer
Dreißig Menschen sitzen in Fritzens Schulklasse. Ein Haupthalunke - wie eine Art König (48) ist darunter. Dieser Mitschüler kann Gesichter schneiden. Mit dem Schafsgesicht empfängt er Prügel (47). Der Lehrer stolziert in hohen Stiefeln durchs Klassenzimmer, als käme er aus der Schlacht bei Austerlitz (26). Er kratzt sich mitunter wollüstig in den Haaren. Fritz möchte nicht die Last der Kenntnisse des Herrn Lehrers tragen (25). Während des Klassenaufsatzes sollte man nach Fritzens Ansicht den Lehrer lieber nicht mit Fragen behelligen. Das ist einfach nicht tapfer, und im Übrigen verabscheut der Befragte solches (46).
Die Kunst
Fritzens älterer Bruder will Kapellmeister werden oder noch besser - etwas, das sämtliche Künste der Erde (24) inkorporiert. Später dann versucht er, seinen seelischen Regungen klangvollen Ausdruck zu geben - macht Verse (39). Adlerflügel möchte er haben. Natürlich ist auch Fritz musisch veranlagt. Er möchte im Anhören von Musik sterben (43), weil diese ihm wie Weinen in Melodien (44) daherkommt.
Fritz weiß wohl, wie Aufsätze zu schreiben sind. Auf den Stil kommt es an. Denn den setzt er mit Ordnungssinn (45) gleich.

Der Commis

Eine Handlung gibt es nicht in diesem Sarkasmus. Der Untertitel - Eine Art Illustration - weist darauf hin: Nach der Lektüre weiß der Leser, was ein Commis ist. Der Commis besitzt Fleiß, Takt und Anpassungsgefühl (50), trägt einen weißen reinlichen Stehkragen, ist äußerst verwandlungsfähig (52) und naiv, gutmütig, höflich wie tüchtig (64). Als guter Rechner und Haushalter tut er seine Arbeit in Ruhe, Zurückgezogenheit und Bescheidenheit (64) im kargen Bureau. Außer Stellung geraten, ist der Commis eine der schrecklichsten Erscheinungen. Hungernde Arbeiter (57) sind nichts dagegen.

Ein Maler

Die Blätter aus dem Notizbuch eines Malers (66) beschreiben den Weg dieses Künstlers ins Hochgebirge. Er kommt aus jener Großstadt, wo der Kummer der Vielen das glänzende Glück der Wenigen ausmacht (69). In der Bergeinsamkeit erhält er Obdach bei der kunstsinnigen Gräfin. Der Landschaftsmaler findet um das Haus der Gräfin herum alle Objekte vor, die er liebt: Tannen und seine Lieblingsfarbe Grau. Er malt die Bergwelt nach der Devise: Malen ist die kälteste Kunst, und es dominieren neben der Beobachtung der Geist und das Sinnieren (74). In einem Atemzug spricht er den Dichtern, diesen Starrköpfen, Naturkenntnis ab. Dann malt er die Gräfin. Unbeweglich und kalt vor sich hinschauend sitzt sie ihm Modell (81). Das Bildnis gelingt. Darauf kommt ein weltberühmter Dichter. Die Gräfin stellt dem Todkranken ihr Haus zum Sterben zur Verfügung. Jener Ankömmling darf in dem Hause bis auf den letzten Tag seiner Laster ohne jedwede Einschränkung frönen. Der Maler malt den sterbenden Dichter, wie er hinausschaut zu den Tannen und wie die Bäume ihrerseits zum Fenster hereinschauen. Dann vergisst der Maler die Kunst. Die Gräfin gebietet nämlich, sie zu lieben. Der Maler gehorcht. Die Geschichte geht für die Gräfin nicht gut aus. Der Maler kann Liebe nicht ertragen, ist für ein kälteres Leben bestimmt (89). Woran liegt es, so fragt er sich, daß Künstler zu keiner Ruhe kommen? (90) Und er verlässt die Geliebte.

Der Wald

Der Autor wird nicht müde im jubelnden Preisen des heimatlichen Waldes als auserwähltes Ziel der Städter und grüner Aufenthalt der Wanderburschen. Schon in Fritz Kochers Aufsatz Mein Berg (32 - 34) klingt das große Walsersche Thema Wald an: Die gewaltigen Buchen auf dem Rücken des Bözingenberges, benannt nach dem Dorf Bözingen an seinem Fuße. Bözingen ist ein Ortsteil von Biel, dem Geburtsort Walsers. Der Autor lebte bis zu seinem 17. Lebensjahr in Biel. Es kann sich in dem Lobpreis Der Wald nur um die Wälder der Schweiz handeln.
Der Autor weiß, Ruhe und Wald sind eins (107). Trotz dieses Wissens hat er mit Unruhe diese Ruhe beschrieben. Ein Fehler vielleicht, so überschaut er kritisch seinen schwierigen Versuch, über etwas Schönes exakt und bestimmt zu schreiben (106). Nicht das tiefe Philosophieren des Autors ist bemerkenswert (104), sondern seine treffliche Beschreibung des Waldes in der Schweiz, in dem der Dichter mit einem guten Gedicht fertig werden kann (102).
Überschwänglich ist sie geraten, diese Eloge an den Wald: Sterben möchte der Autor mit seiner Liebe zum Wald (102).

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